Der Kreis
Epilog
Der Spuk war vorbei
Es hatte weniger als drei Jahre gedauert.
Das erste All-Inclusive Hotel-Programm der Karibik war grandios gescheitert.
Großen Hotelketten hatten sich geweigert, das Treiben am Strand, in den Hotels, auf den Straßen und in der gesamten Gegend von Puerto Plata weiterhin als karibischen Luxus zu verkaufen.
Sie haben einen Schlussstrich gezogen.
Die Mafia, die vielen leichten Mädchen und die gesamte Unterwelt konnten zum ersten Mal nach sehr langer Zeit wieder ausschlafen.
Das marode und total verdreckte Wasser- und Abwassersystem konnte zum ersten Mal nach Jahren etwas gesäubert werden.
Die Polizei musste sich umstellen.
Statt wie bisher jedes zweite Auto anzuhalten, den Fahrer aufzufordern, für die Geburtstage der Kinder eine kleine Spende durch die Scheibe des Wagens zu überreichen – stattdessen muss jeder jetzt zusehen, wie er in der zweiten Hälfte des Monats überleben konnte.
Eine Tatsache, die jeder Polizist mit fast allen öffentlichen Angestellten des Landes teilt.
Die wenigen Engländer, die noch in den Hotels waren, sahen zum ersten Mal Strand, Meer und Palmen. Vorher waren sie im Dauerrausch sieben oder zehn Tage so betrunken, dass sie keine Ahnung hatten, wer sie waren und wo sie waren.
Das alles war jetzt vorbei.
Puerto Plata als Highlight des neuen Karibik-Tourismus war Geschichte.
Der Ruf war ruiniert.
Von da an lebte man in diesem schönen Flecken der Karibik die nächsten Jahre schlicht nach der Devise: ist der Ruf erst ruiniert, lebt’s sich völlig ungeniert.
Und das bis heute.
Kapitel 1
Die Entscheidung
Der Präsident hat entschieden. Die Hotelgesellschaften waren einverstanden.
Es wurde in ganz kurzer Zeit ein komplett neues Urlaubsgebiet in der Dom Rep aus dem Boden gestampft.
Man nannte es Punta Cana, in Ermangelung eines besseren Werbespruchs.
Es wurde der größte Erfolg der letzten Jahrzehnte in der Tourismusgeschichte.
Man machte so ziemlich alles richtig.
Die Gäste waren begeistert.
Die Buchhalter waren begeistert.
Ein gehobener 4-Sterne Hotel Tourismus wurde gepflegt, geschützt und aus dem anfangs zarten Pflänzchen wurde eine solide große Palme, in Ermangelung der Tatsache, dass es in der Domrep keine Eichen gibt.
Nach sechs Erfolgsjahren hintereinander war Punta Cana fest im aktiven Wortschatz aller internationalen Reisebüro-Verkäufer verankert.
Es gab keinen Meter Hotel-Strand mehr, der nicht von großen internationalen Hotels angeboten und verkauft wurde.
Die Anzahl der internationalen Krankenhäuser stieg innerhalb von kurzer Zeit von eins auf sechs.
Der Flughafen verdoppelte und vervielfachte sich in Fläche und Besucheranzahl,
Die neu gegründete Touristen-Polizei brauchte nicht mehr die Autos anhalten – die in gepflegter Langeweile am Strand liegenden Damen der mittleren Altersklasse sorgten für ein angenehmes Auskommen.
Es gab nur eine einzige dunkle Wolke am strahlenden Tourismushimmel.
Das war die Tatsache, dass man nichts mehr hatte, diesen Erfolg in Punta Cana noch zu vergrößern.
Die Konferenz
Es war ein großer dunkler Tisch.
12 Personen saßen um diesen Tisch.
An jeder Seite 5, teils männlich, teils weiblich.
An den beiden Stirnseiten der Tourismusminister und ihm gegenüber der Leiter der internationalen Hotel Vereinigung.
Man war heute zum vierten Mal zusammen gekommen, um zu überlegen, wie und wo man das Erfolgsmodell Punta Cana in der Dominikanischen Republik noch weiter ausbauen könnte.
Zwei junge Leute hatten dabei durch viele Redebeiträge auf sich aufmerksam gemacht.
Sie waren begeisterte Anhänger der neuen grünen Ökologiebewegung. Sie sagten – zusammengefasst – den Strandurlaub kann man nicht vergrößern, dazu fehlt die Infrastruktur und außerdem habe man das Desaster von Puerto Plata ja noch in lebhafter Erinnerung.
Ihre Meinung war klar – der neue Tourismus wird ein grüner Tourismus sein.
Ökologie wird ganz oben stehen.
Die Menschen wollen zurück zur Natur.
Und hier in der Dom Rep gibt es Natur und Ökologie genauso viel und genauso schön wie das normale Strandleben.
Vielleicht sogar noch intensiver.
Der Ökourlaub ist der Urlaub der jungen Generation, sie wird älter und diese Form des Urlaubs muss man jetzt erkennen, pflegen, ausbauen und dann wird der Erfolg von Punta Cana noch weit übertroffen werden.
Der Minister und alle anderen Personen am Tisch nickten und waren mangels eigener Vorschläge bereit, hier einzusteigen.
Niemand von ihnen wäre freiwillig auf einem Maultier durch irgendwelche schönen Naturschutzgebiete gereist – in der klimatisierten Limousine kam man schließlich auch zum Ziel.
Also wurde den beiden die Planung übergeben.
Die Lügnerin
Man stand auf und ging zum Luxus-Italiener, später gefolgt vom obligatorischen Besuch im Luxus-Nachtklub, der sich bis zum nächsten Morgen hinzog.
Der Inhaber des Etablissements war ein holländischer Unternehmer und Zyniker, der seinem Club einen ehrlichen Namen gegeben hatte: „la Mentirosa“ auf Deutsch „die Lügnerin“.
Die Wahl
Die Wahl fiel auf Samana.
Eine kleine Halbinsel, die wie ein Finger im Norden der Republik ins Meer ragt.
Ungefähr 80 km lang, nur 6 – 10 km breit.
Dieser Finger oder diese Landzunge hatte in der Mitte durchgehend ein kleines Gebirge, einige 100 m hoch und war mit Sicherheit ein ökologisch sehr interessantes Gebiet.
Angeblich sollten auf diesem kleinen Fleckchen 4 – 6 Millionen Palmen stehen, gezählt hatte sie niemand.
Es gab nur drei kleine Orte auf Samana. Zwei Fischerdörfer und ein Ort, wo überhaupt nichts passierte.
Die gesamte Halbinsel war felsig, es gab zwischen all dem steil aus dem Meer aufragenden Felsen nur ganz wenige Meter Strand.
Um von Punta Cana nach Samana zu reisen, musste man fast die gesamte Republik durchqueren. Eine solche Reise dauerte mit dem Wagen 8 – 10 Stunden.
Samana hatte tropische Wetter-Voraussetzungen.
Der Passat Wind brachte Tag und Nacht die Wolken des Atlantiks an die Halbinsel und viele Wolken waren voller Wasser.
Diese Wolken hingen oftmals sehr tief am Himmel und ein großer Teil dieser dunklen Wolken wurde durch das kleine Gebirge in der Mitte von Samana aufgeschlitzt.
Das Wasser kam als Regen runter auf beiden Seiten der Halbinsel, und durch diesen permanenten Regen hatte sich eine ganz intensive Natur entwickelt.
Am meisten profitierten davon die Palmen.
Ansonsten noch Kühe, Schweine und Maultiere, die überall in den Bergen lebten, und wo niemand genau wusste, zu welchem Bauern sie irgendwann mal gehört haben oder heute gehören.
Zusammengefasst: Natur pur, Ökologie pur.
Die Infrastruktur
Die Infrastruktur ließ zu wünschen übrig
Es gab nur eine Straße auf der kleinen Halbinsel.
Es gab mit Ausnahme von zwei schon leicht verfallenen Luxushotels aus den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts keine sonstigen modernen Hotels.
Es gab überhaupt keine nennenswerte Infrastruktur.
Also auch eine wesentliche Voraussetzung für einen gelungenen Öko -Urlaub.
Der Auftrag
Die beiden jungen Leute bekamen die entsprechenden Aufträge.
Sie druckten neue Visitenkarten und waren in der Hierarchie der wichtigen Mitarbeiter mehrere Stufen auf einmal nach oben gefallen.
Der Tourismusminister hatte endlich wieder die Zeit, täglich auf dem Golfplatz sein Handicap zu verbessern und alle anderen hatten die Meetings über Samana und den neuen Öko-Tourismus längst vergessen.
Das Memorandum
Es wurden diverse Memorandum zu dem gesamten Projekt geschrieben.
In Erinnerung blieb davon nur ein einziges Projekt, das dann die dominikanische Variante des deutschen Grundgesetzes enthielt:
Die Habgier des Menschen ist unantastbar.
Logistik
Für das Projekt Öko-Samana mussten Unmengen von Zement transportiert werden.
Die größte dominikanische Zementfabrik liegt in der Nähe der Hauptstadt Santo Domingo. Von dort mussten die LKW 8–10 Stunden quer durchs Land fahren, teilweise auf sehr schlechten Straßen.
Jeder Kubikmeter Zement, der auf diese Weise irgendwann in Samana ankam, hatte bis dahin bereits ein Vermögen gekostet.
Man überlegte und kam auf eine gute Idee.
Wenn man den Zement direkt von der Fabrik nach oben an die Bucht von Samana transportiert, würde es nur 3 Stunden dauern.
Von dort müsste eine Fähre die LKW über die Bucht von Samana auf die Halbinsel bringen, dann wäre der Zement schon direkt am Bestimmungsort.
Man begann an den beiden Endpunkten der Fähre – an der kleinen Ortschaft Sabana de la Mar und auf der anderen Seite in der Stadt Samana – große Rampen zu bauen, damit die schweren Zement-LKWs auf die Fähre kommen können.
Diese große LKW-Auffahrt ist heute noch in der kleinen Stadt Sabana de la Mar direkt neben dem jetzigen Anlegeplatz der aktuellen Fähre zu sehen.
Man suchte auf der ganzen Welt nach einer schönen großen Fähre, die zufällig verschenkt werden sollte.
Die Fähre
Gefunden hat man zum Schluss einen alten Seelenverkäufer in Indonesien.
Dieser wurde in einer monatelangen Odyssee in die Karibik geschleppt.
Die Fähre hatte Platz für fünf große Zement-LKWs.
Die ersten Monate klappte der Transport reibungslos.
Dann probierte man erfolgreich, wie durch geschicktes Hin- und Her-Schieben der großen Zementwagen auf dem Schiff noch Platz für einen sechsten großen Lkw geschaffen werden konnte.
Und als auch diese Variante erfolgreich die nächsten Monate funktionierte, baute man den kleinen alten Dampfer noch ein bisschen um, sodass noch ein kleiner Bus mit sonstigen Sachen transportiert werden konnte.
Jetzt waren die Gewichtsverhältnisse auf dem Schiff so, dass 70 % des gesamten Gewichts oberhalb der Wasserlinie war und nur der Rest mit der Schiffsmaschine darunter.
Schiffe versenken
Jeder, der schon mal Schiffe-Versenken in der Badewanne gespielt hat, weiß dass mit der geringsten kleinen Welle so ein Schiffchen anfängt zu schaukeln.
Und wenn es mal angefangen hat zu schaukeln, dann wird es nicht wieder aufhören, weil es keine Kraft gab, die Kiellinie nach unten hin zu stabilisieren.
Bei der zweiten Überfahrt mit dem zusätzlichen großen Bus passierte es.
Bei relativ ruhiger See fängt die Fähre durch den Wellengang in der Mitte der Bucht an zu schaukeln und einige Minuten später verabschiedete sich der alte Pott mit einem letzten Glucksen von der Wasseroberfläche.
Die Fahrer und die drei Mann Besatzung wurden von einem Fischerboot aufgenommen und niemand kam zu Schaden.
Und damit war der intelligente Zementtransport vor Ablauf des ersten Jahres karibische Geschichte geworden.
Angeln
Die gesamte Bucht von Samana ist sehr flach, überwiegend nur 5-6 m tief.
Wenn man heute mit der kleinen Person-Fähre, die nach wie vor diese beiden Städte auf beiden Seiten der Bucht viermal am Tag verbindet, wenn man mit dieser Fähre über die Stelle fährt, wo die Zementfähre seit vielen Jahrzehnten auf Grund des Meeres liegt, dann kann man bei ruhigem Wasser noch die Reste der Fähre und der LKWs auf dem Grund des Meeres sehen.
Das Ganze ist inzwischen ein natürliches Unterwasser-Riff geworden.
Diverse Fische und Pflanzen haben sich angesiedelt.
Der kleine Fisch wird vom Größeren gefressen und der wiederum beißt gelegentlich in den Köder der Angelschnüre, welche die Einheimischen bei jeder Fährüberfahrt am Heck der Fähre ins Meer werfen in der Hoffnung auf einen guten Fang – getreu dem Wort aller Fischer, Politiker und der Verliebten:
Ein Fisch sieht den Köder, aber nicht in Hacken.
Kapitel 2
Die Absage
Das Projekt Öko–Samana nahm weiter Gestalt an.
Nicht so schnell wie geplant, nicht so günstig wie geplant – aber damit befand man sich in weltweit guter Gesellschaft.
Die nächste Überraschung kam, als die Hotels der Regierung mitteilten, dass sich das internationale Touristen Verhalten geändert hat.
Man könne den Touristen nicht mehr zumuten, von einem Flughafen Puerto Plata aus noch 4 bis 5 Stunden im Bus zu sitzen, bis sie endlich im Hotel ankommen.
Das würde niemand mehr akzeptieren.
Die Buchungen würden entsprechend gering sein und das ganze hätte deswegen so keinen Sinn.
Entweder man schafft die Voraussetzung, dass die Gäste in maximal 2,5 Stunden nach der Landung im Hotel sind, oder Samana wird von der Liste der Projekte einfach gestrichen.
Die Autobahn
Die Dominikaner sind Meister im Geld ausgeben, was ihnen nicht gehört.
Diese Fähigkeit geht vom einfachen Landarbeiter nahtlos über bis zum Präsidenten.
Um die gesamten Vorbereitung, die man bis dahin in das Projekt Samana gesteckt hat, nicht aufgeben zu müssen, entschloss man sich zu folgendem :
Die Touristen, die aus aller Welt nach Samana reisen würden, sollten jetzt in Santo Domingo landen.
Von dort aus würde man eine neue Express-Autobahn direkt quer durchs Land bauen, die dann kurz vor Samana endet.
Das ganze wären gut 100 km Autopiste quer durch die Pampa.
Ohne Berührung von irgendwelchen kleinen Ortschaften, Dörfern oder sonstigen Siedlungen.
Diese komplett isolierte Form der Express-Autobahn war auch aus dem Grunde nötig, weil man das ganze Projekt einer internationalen Straßenbaugesellschaft übertragen würde.
Diese sollte die gesamte Autobahn bauen.
Sie bekommt im Gegenzug dafür das Recht, 39 Jahre eine Mautgebühr zu erheben, und daraus kann sie sich dann refinanzieren.
Und damit nicht irgendwelche Dominikaner diese neue Autobahn benutzen können, um auf ihr ohne Mautzahlungen von A nach B zu kommen, sollte die Trasse so vorgesehen sein, dass sie überhaupt keine menschlichen Siedlungen berührt.
An die Arbeit
Der Vertrag wurde geschlossen.
Riesige Maschinenparks begannen die Arbeiten.
Wir selbst beobachteten die nächsten zwei Jahre den Fortschritt dieser speziellen Autobahn, als wir von Punta Cana gelegentlich nach Santo Domingo reisten.
Nach knapp drei Jahren Bauzeit war diese ganz spezielle Straße fast fertig.
Es fehlt nur noch die Mautstation an den beiden Seiten, dann konnten die Busse mit ihrem Touristentransport von Santo Domingo nach Samana beginnen.
Der Hammer
Dann machte es kurz „Plopp“ und der nächste Hammer fiel.
Die Hotels erklärten über ihre internationalen Organisationen, dass sich der internationale Tourismus in einem rasanten Wandel befindet.
Nach neuesten Untersuchungen kann man jetzt den internationalen Gästen nicht mehr zumuten, sie für zweieinhalb Stunden nach der Landung in einen Bus zu setzen, um ins Hotel zu kommen.
Auch wenn es über eine spezielle Autobahn gehen würde – es dauert alles zu lange.
Erleichtert
Die Verantwortlichen auf der dominikanischen Seite waren erst mal erleichtert, dass sie mit der gesamten Autobahn überhaupt nichts mehr zu tun haben würden.
Wenn es mangels Bus, Touristen und sonstigem Verkehr keine Mauteinnahmen geben würde, sei dies ausschließlich Sache der Betreiber-Firma.
Man habe nie irgendeine Garantie für ein Verkehrsaufkommen gegeben.
Das stimmte.
Einsam
Und somit ist diese Autobahn-Schnellstraße quer durch die Pampa vom Süden zum Norden der Republik die einsamste und isolierteste Schnellstraße der Karibik geworden.
Außerdem auch die Teuerste.
Die Betreiber haben eine exorbitante Mautgebühr für die wenigen Autos erhoben, die diese Strecke überhaupt noch fahren.
Kapitel 3
Noch mal
Jetzt saß man wieder zusammen.
Die beiden jungen Ökospezialisten, die Gruppe der Hotelvertreter, die Mitarbeiter des Tourismusministeriums und die Gruppe all derjenigen, die sich irgendwelche Provisionen aus diesen Gesprächen erhofften.
Der Minister fragte zuerst ziemlich aufgebracht, was die Hotels denn überhaupt noch wollen.
Die antworteten cool und sachlich: Wir wollen alles, was zum Wohle der Provinz Samana ist. Und damit dann natürlich auch zum Wohle der Republik.
Und dass dies unter heutigen Umständen nur erreicht werden kann, wenn man den ankommenden Touristen eine maximale Busreise von nicht mehr als einer Stunde garantieren kann.
So sind die Bedingungen auf dem hart umkämpften Weltmarkt für betuchte Öko – Touristen.
Auf der dominikanischen Seite konnte das niemand nachverfolgen, das war auch nicht beabsichtigt.
Reisfelder
Also – fuhr die Leiterin des Hotelverbandes fort – brauchen wir einen Flughafen.
Und zwar direkt am Anfang der Halbinsel Samana.
Wir alle wissen, dass Samana so etwas wie ein bergiger Finger ist, auf dem kein großer Flughafen gebaut werden kann.
Aber direkt vor Samana, gibt es riesige Reisfelder.
Sie sind flach wie ein Kinderpopo und eignen sich mit großer Sicherheit für große Projekte.
Dort könnte man einen Airport errichten, der das Image und das Ansehen der dominikanischen Republik enorm steigern wird.
Die Überlegung
Die Dominikaner schluckten und überlegten umgehend, wie sie so einen Flughafen umsonst kriegen würden.
Es gab die Möglichkeit, mit Krediten der internationalen Weltbank zu arbeiten.
Die würde wie fast immer alles vorschießen.
In diesem Fall würde der gesamte Bau des Flughafens von der Weltbank an den Flughafen-Erbauer gezahlt und die Dominikaner würden später anfangen, vielleicht irgendwelche Zinsen zu bezahlen.
Wahrscheinlich nur so lange, bis die Weltbank das tun würde, was sie meistens tut – die Forderungen der Weltbank werden fast immer irgendwann erlassen.
Entweder, weil sie sowieso nicht eingetrieben werden können, oder weil der Staat sich für Bankrott erklärt hat.
Der Airport
Ein neuer, sehr schöner, luftiger und architektonisch gelungene Flughafen mit einer sehr großen Piste wurde in einer Rekordzeit von weniger als zwei Jahren errichtet.
Direkt vor den Bergen von Samana.
Damit verkürzte sich die Zeit zwischen Flugzeug-Landung und Hotel-Ankunft auf nur noch 1 Stunde.
Als dieser neue Flughafen fertig war, wurden internationale Fluggesellschaften damit angelockt, dass sie kaum Gebühren für die Benutzung des Flughafens bezahlen bräuchten.
Und nach einer pompösen Einweihung fing der Flughafen an zu arbeiten.
überall in der Welt wurden in den Reise-Beilagen der Zeitungen Berichte über das traumhafte Palmenparadies Samana platziert.
Hunderte von Reisebüro-Angestellte wurden gratis nach Samana geflogen, um alles zu besichtigen und danach die Kunden zu bringen.
Erscheinungen
Der Grundstein für ein zweites Tourismuszentrum, ähnlich Punta Cana, war gelegt.
– Die Artikel erschienen.
– Die Videos erschienen.
– Die Flugzeuge erschienen
und die Sonne schien auf Millionen von Palmen.
Nur eine Sache erschien nicht – die Touristen.
Beschränkt
Die Anzahl der Menschen, die freiwillig bei tropischer Hitze auf kleinere und größere Berge klettern wollten, war beschränkt.
Beschränkt ist hier der falsche Ausdruck. Er war so beschränkt, dass er kaum wahrnehmbar war.
Man war ratlos, mutlos und konnte nur noch mit den Schultern zucken.
Verglüht
Die wenigen Touristen aus den anderen Ländern Amerikas und Europas, die sich für Samana entschieden hatten, vermissten im Grunde genommen nur eine Sache – den Strand, das Meer und die typische Karibik.
Nach wenigen Monaten war das Strohfeuer verglüht.
Die deutschen Charterfluggesellschaften nahmen alle Destinationen Samana aus dem Programm, die amerikanischen ebenfalls.
Die wenigen Hotels, die es überhaupt in Samana gab, standen genauso leer wie vorher.
Meisterwerk
Der Flughafen Samana ist heute ein Meisterwerk von Stille und Beschaulichkeit.
Es gibt im Moment einen Flug pro Tag nach Kanada und an einem Donnerstag sogar zwei Flüge.
Ansonsten ist dort absolute Stille – es ist eine wunderschöne Tourismusruine.
Positiv hervorheben kann man allerdings, dass er die schönsten, größten und saubersten Toiletten der nördlichen Republik hat.
Sie werden jeden Tag 10 Stunden lang stündlich gereinigt.
Ich habe mit all unseren Gästen keinen Ausflug nach Samana gemacht, ohne ihnen diesen schönsten und einsamsten Flughafen der Welt inklusive der fantastischen Toilettenanlagen zu zeigen.
Auskunft
Vielleicht sollte man der Fairness halber noch erwähnen, dass es dort auch die wohl beste Auskunft aller Flughäfen gibt.
Der große Auskunftsschalter ist nie besetzt.
Es gibt weder Passagiere, die dort eine Auskunft erfragen noch irgendwelche Menschen, die antworten können.
Insofern hat es bis heute noch nie eine falsche Auskunft gegeben.
Kapitel 4
Image
Samana hat weiterhin das Image einer wunderschönen Halbinsel.
Man kann dort alles unternehmen, was man möchte und ist dabei fast immer ungestört.
Die beiden Leiter des Samantha Öko-Projekts sind durch die diversen Vergaben von Aufträgen und den entsprechenden Kommissionen inzwischen steinreich geworden.
Neu
Sie haben ein neues Projekt entwickelt.
In der Mitte der kleinen Halbinsel Samana, ganz versteckt zwischen großen Felsen und ohne irgendwelche Zufahrten oder auch nur Trampelpfade von Eingeborenen oder Maultieren, die dort leben – da gibt es 20 km Strand am Ende des Urwalds.
Um dahin zu kommen baut man jetzt eine tolle Autobahn, die ersten 20 km sind bereits fertig.
Sie führt in einer atemberaubenden schönen Strecke vom Flughafen zur ersten größeren Stadt Las Terrenas.
Von dort braucht man noch mal 20 km Straße, dann kann man mit schwerem Gerät an die Küste kommen.
Das ganze wird in den nächsten 3-5 Jahren fertig sein.
Dann hat man mitten auf Samana ein Urlaubsparadies, was genauso schön wie Punta Cana ist.
Und man hat das, was jeder mit Karibik verbindet: wunderschöner Strand, glasklares türkisfarbenes warmes Meerwasser und Palmen bis zum Abwinken.
Der Kreis
Dann hat man endlich das zweite Punta Cana in der Domrep.
Ein langer, manchmal ziemlich karibisch verschlungener Weg.
Kaum einer kennt diese Geschichte.
Sie fängt an mit Punta Cana und sie endet nach einigen Irrungen und Wirrungen wieder im neuen Punta Cana.
Und damit schließt sich der Kreis.