IRMA – hurra, wir leben noch

Simmel – ja, der Schriftsteller, bei dem es am Anfang nicht immer Kaviar sein musste und der in Deutschland immer nur heimlich gelesen wurde und dabei 12 Millionen Bücher verkaufte – er schrieb die hübsche Schmonzette  „Hurra, wir leben noch”. Und das soll dann auch das Motto dieser kleinen Info sein.

Es gibt auf der Welt kaum etwas Unterschiedlicheres als zwei Schwestern. Auch wenn 50 Jahre zwischen ihnen liegen. Vor 50 Jahren erfand der wunderbare Regisseur Billy Wilder die noch wunderbarere „Irma la Duce“. Also Irma, die Süße. Sie wurde das meistgeliebte Mädchen ihrer Generation.

Vor zehn Tagen erfand jemand anderer ihre Schwester – und nannte sie „Irma il terrible“.
 Also Irma die Schreckliche.

Der Welt wurde sie bekannt nur unter ihrem ersten Vornamen, also IRMA.
Sie entwickelte sich bereits nach wenigen Tagen zu einem Monstrum. Zuerst wenig beachtet, dann ein Objekt leicht reißerischer Berichterstattung. Dann die Entwicklung zu etwas Monströsem – und dann die Erkenntnis, dass es so etwas Fürchterliches bisher noch nie gegeben hat. Und diese alles niederwalzende Irma erlebten wir hier in den letzten Tagen in der Karibik, genauer gesagt, bei uns in Punta Cana in der DomRep.

Aufmerksam gemacht wurde ich wie viele andere auch durch erste Presseberichte und Beschreibungen im Internet. Richtig wahrgenommen habe ich Irma – ebenfalls wie viele andere – erst, als sie innerhalb von zwei Tagen ihre Stärke von einem gefährlichen 3. Grad auf die maximal mögliche Stärke von fünf erhöhte. 
Die dann folgenden Berichte kamen immer schneller und eindringlicher zu uns.

Am Sonntag war es dann soweit, dass wir uns darauf einstellen mussten, in drei Tagen diesen Hurrikan praktisch vor der Tür zu haben.
Ein Nachbar hier bei uns im Condominium ist Miteigentümer eines Hotels, das nur 200 Meter entfernt von uns liegt und ebenfalls einen eigenen Strand hat. Er erzählte mir am Montag, dass man sich Sonntagabend seitens des Hotels an alle Reiseveranstalter gewandt hatte mit der Bitte, das Hotel zu evakuieren, da man für die Sicherheit der Gäste keine Garantie mehr geben könne.

Praktisch alle Reiseveranstalter haben sofort geantwortet und diesen Vorschlag abgelehnt. Man sei übervorsichtig, man versuche wohl irgendwie wieder extra Geld zu erhalten usw. Im Klartext: Hier in Punta Cana wusste man, was kommt und man fühlte sich alleingelassen. Keine 24 Stunden später forderten alle Reise-Veranstalter das Hotel auf, sofort die gesamten Gäste zu evakuieren, wohin sei egal.

Es gab aber in Punta Cana schon keine Ausweich-Unterkünfte mehr.

Die Situation war in einer gewissen Art gespenstisch. Der Hurrikan sollte in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag auf die dominikanische Küste zurasen und dann als erstes praktisch das Gebiet erreichen, wo wir wohnen. Auf der anderen Seite war Sonntag, Montag und den ganzen Dienstag das Wetter herrlich. Die Sonne schien, es war warm wie immer – und weder Wind noch Regen.
Unter diesen ganz normalen karibischen Wetterbedingungen sich gedanklich in ein demnächst eintretendes Chaos zu versetzen, fällt schlichtweg sehr schwer.

Selbst mir, als einem Menschen mit relativ viel Fantasie und Erfahrung, war es kaum möglich an das zu denken, was uns in wenigen Stunden wohl bevorstehen würde.

Am Montag begannen in der Stadt die Supermärkte und die Banken und alle größeren Geschäfte ihre Schaufenster und Glasfenster zu vernageln. Es gab keine freien Handwerker mehr und in den vier oder fünf Baumärkten keine Bretter und auch keine Taschenlampen.
Wir selber hatten noch drei große Trinkwasserbehälter, jeder mit 35 Litern. Aber man weiß ja nie was kommt. Also fuhr ich am Dienstag los, um noch mal drei weitere Trinkwasserbehälter zu kaufen.

Die Absicht war da, aber das war’s dann auch.

Im ganzen Ort gab es hunderte oder vielleicht tausende von diesen großen bläulichen Wasserflaschen – sie standen vor jedem Supermarkt – aber alle waren leer. Auf die glorreiche Idee, sich mit solchen Wasserflaschen auszurüsten, waren schon Tausende vor mir gekommen und ich war schlichtweg viel zu spät dabei.

Lebensmittel konnte man jede Menge kaufen. Aber auch kleine Spirituskocher oder kleine Gaskocher, die mit einer Gasflasche betrieben werden können, so wie in Europa die Campingkocher – all das war ausverkauft.

Am Montag fingen auch bei uns im Condominium einige Wohnungsinhaber an, ihre zum Meer hin befindlichen großen Scheiben und Terrassen mit Holz zu vernageln. Ich selber machte mir hier keine großen Sorgen, denn wir hatten beim Kauf unseres Apartments bereits große schwere Anti-Hurrikan-Eisengitter anbringen lassen, die man einfach zuziehen konnte, wie eine Ziehharmonika, und dann sollten sie die dahinter liegenden Wohnräume schützen. Außerdem hatte ich im letzten Jahr alle Fenster, die von unserer Wohnung zum Meer zeigen, zusätzlich mit elektrischen Metall-Rollos ausstatten lassen.

Das war an sich eine Idee, um zum einen den sehr starken Sonnenschein und auch gelegentlich starken Regen davon abzuhalten, direkt auf unsere Terrasse zu gelangen. Außerdem wollte ich in meinem Terrassen-Schlafzimmer mehr Ruhe haben und ebenfalls in meinem daneben liegenden Büro.

Wir hatten also bei uns praktisch doppelte Sicherung gegen Sturm + Regen und eventuell auch Hochwasser.

Die Hotels hier bei uns sind zu diesem Zeitpunkt praktisch alle ausgebucht, die Belegungs-Rate liegt bei 85 % Belegung, das ist das Maximum, das man normalerweise erreichen kann. Im Klartext: Irgendeine Anzahl um die 25.000 Touristen tummelte sich hier auf 20 km Strand.

Und wie die alle jetzt vor dem mit Sicherheit kommenden Hurrikan geschützt werden könnten – das wusste schlichtweg niemand.

Es gab dann sehr kuriose Mitteilungen in einigen Hotels: Die Gäste sollten sich in ihrem Badezimmer aufhalten, da hätten sie noch am ehesten Wasser und in der Badewanne kann man ja auch schlafen.

Viele Hotels, die relativ spät gebaut wurden, hatten zum Meer hin keinerlei Hurrikan-Schutz. Jeder Quadratzentimeter Fensterfläche zum Meer ist aus Sicht der Hotels Gold wert. Ein Zimmer mit Meerblick oder auch nur mit teilweisem Meerblick bringt das Doppelte als ein Zimmer mit unverbaubaren Blick auf den Hauptgüterbahnhof – der muss hier zwar erst noch gebaut werden, aber Baustellen dafür gibt es genügend.

Die ganze Region hier wird am Leben gehalten durch täglich 20.000 Dominikaner, die aus allen umliegenden oder auch weiter entfernten Dörfern und kleinen Städten hierher gekarrt werden, immer mit denselben gelben, alten Schulbussen, die die amerikanische Regierung der hiesigen Regierung regelmäßig schenkt.

Es gibt zwei relativ große Flüsse mit guten Brücken. Aber wenn eine dieser Brücken aus irgendeinem Grund unpassierbar wird, können auf einen Schlag 5000 oder 10.000 oder 20.000 Angestellte und Arbeiter nicht zur Arbeit, und dann gibt es nichts zu Essen, keine Sicherheitsleute, keine Gärtner, die den Dreck und Müll wegbringen und keine Bedienung, die sonst jedem Gast versucht, die Wünsche von den Augen abzulesen.

Was mit Sicherheit passieren würde, war, dass es Stromausfall geben würde.

Die Stromleitungen liegen alle oberirdisch auf großen alten Holzpfählen. Und da brauchen nur einige dieser alten und morschen Masten im Sturm umknicken, und schon sind die daran angeschlossenen Wohnungen und Stadtgebiete ohne Strom. Das weiß hier jeder und nimmt es entsprechend in Kauf.

Alle Hotels haben Notstromanlagen, die sofort anspringen, wenn der externe Strom ausfallen sollte. Aber auch diese Notstromanlagen haben nur eine begrenzte Laufzeit, das hängt davon ab, wie viel Benzin oder Öl vorgehalten wird, um die Maschinen am Laufen zu halten.

Hauptproblem ist dann die Wasserversorgung. Das Wasser kommt über Zuleitungen aus der Provinzhauptstadt Higuey, ca. 50 km von hier entfernt. Dort gibt es einige kleinere Gebirge. Die Wolken, die das ganze Jahr über das Meer durch den Passat-Wind angetrieben werden, ziehen alle über Bavaro / Punta Cana hinweg, weil es hier keine Berge gibt. Und sowie sie das 50 km entfernte Higuey erreicht haben, schlitzen sich die wirklich schweren Regenwolken an den Bergspitzen auf und lassen es regnen. Higuey und die Gegend um diese Provinzhauptstadt hat Regen mehr als doppelt so häufig wie hier bei uns. Und dieser Regen wird dann als gutes Regenwasser von Higuey aus 50 Kilometer weit nach Bavaro gepumpt.

Wenn es jetzt keinen Strom gibt, fallen die Pumpen auf dem Weg aus und das Wasser steht praktisch in den Röhren.

Das Abwasser von den Toiletten usw. versickert zwar nach dem Prinzip der Schwerkraft in große, unterirdische Behälter, genauso in den großen Hotels, wie hier bei uns im Condominium. Aber auch von dort aus wird das Abwasser in zwei oder drei Stufen gereinigt und schließlich in ein Klärwerk weitergeführt, in dem eine Endreinigung stattfindet. Wenn diese Reinigung bzw. das Weiterleiten ins Klärwerk nicht mehr möglich ist, weil die dafür nötigen Pumpen keinen Strom haben, dann steht auch dieses System still.

Von diesen ganzen Systemen und von allem, was damit zusammenhängt, hat natürlich der normale Tourist keine Ahnung. Wir hier im Condominium wissen ziemlich gut Bescheid. Zum einen weil wir unser Frischwasser von dem Hotel neben uns bekommen und weil Strom, Telefon und Internet auch über spezielle Leitungen zu uns ins Condominium geführt werden. Das Problem mit Abwasser haben wir schon, wenn nur in einigen Apartments die Putzfrauen ihren Dreck ins Klo schmeißen, statt ihn zu sammeln und normal in die Mülltonnen zu bringen.

Es gibt hier Sachen, die kann man sich normalerweise gar nicht vorstellen.

Doch jetzt zurück zum sonnigen Dienstag.
Der Hurrikan war inzwischen auf den ersten karibischen Inseln angekommen und hatte dort eine fürchterliche Verwüstung angerichtet.
Wir sahen diese Bilder von Inseln, die nur wenige 100 km entfernt liegen. Richtig vorstellen konnte man sich das nicht, denn bei strahlendem Himmel, totalem Sonnenschein und Wärme und ruhigem, 30 Grad warmen Meer ist die Vorstellungskraft schlichtweg überfordert.

Es gab jetzt auch schon genauere Prognosen – und die lauteten übereinstimmend, dass IRMA über uns herkommen würde in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag zwischen 1:00 Uhr morgens und 5:00 Uhr morgens. Zu dieser Zeit ist es stockfinster, und wenn man vom angekündigten sofortigen Stromausfall ausgeht, kann man auch am Strand nichts mehr sehen. Das Tageslicht fängt hier zurzeit morgens kurz vor sechs an – und das einzige, das man dann wohl hätte sehen können, wäre das Ausmaß und der Grad der Verwüstungen der vorherigen Stunden.

Das Schlimmste, das bei dieser ganzen Horror-Szene immer wieder diskutiert wurde, war die Höhe der Wellen. Bei einer Windgeschwindigkeit von bald 300 km ergaben sich übereinstimmend Wellenhöhen von 8–10 Metern. 
Die Häuser hier am Strand bei uns sind weniger als 7–8 Meter hoch. Hochhäuser in irgendeiner Form gibt es nirgendwo am Strand, das dominikanische Gesetz zum Schutz der Strände und des Tourismus sagt seit 20 Jahren, dass kein Haus höher gebaut werden darf als die höchste Palme.
Und die ist maximal 13 m hoch. So hat man vom Meer aus den Blick auf eine gleichmäßige Palmenhöhe und darunter versteckt eben dann die Häuser der diversen Hotels.

Aber wenn das Ganze jetzt durch diese extrem hohen Wellen überflutet werden sollte – kein Mensch wusste, wie sich das auswirken würde.

Unsere einzige Hoffnung war das Riff, das ca. 400 m vom Strand entfernt hier parallel zur gesamten Küste liegt. Dieses Riff war auch eins der maßgeblichen Argumente, dass überhaupt an dieser Stelle so ein künstlicher goldener Käfig für den Tourismus gebaut werden konnte. Das Riff geht bis direkt zur Oberfläche des Meeres, hat dort also eine Meerestiefe von ca. 30-50 Metern. Es ist in den Jahrmillionen immer mitgewachsen mit der Wasseroberfläche. Man kann mit den Booten oder auch schwimmend dieses Riff nicht überqueren. Es ist extrem spitz mit scharfkantigen Korallen, die alles aufschlitzen. Ich weiß das, weil ich vor Jahren viele Male dorthin gesurft bin und diverse paar Neopren-Surf-Schuhe aufgeschlitzt hatte, als ich versuchte, auf diesem Riff ein bisschen spazieren zu gehen. Auch die Segel, die dabei im Wasser lagen, rissen sofort ein.

Dieses Riff war also unsere ganz große Hoffnung. Jeder hoffte, dass die Riesen-Wellen oder Monsterwellen bei der Ankunft am Riff ihre Gewalt verlieren würden. Nach den Gesetzen der Physik verliert eine große, heranrollende Welle in dem Moment, wo sie auf das Riff trifft, ca. 80 % ihrer physikalischen Kraft. Die Welle knallt unter Wasser gegen das Riff und geht dann direkt in die Luft.

Das haben wir gelegentlich schon gesehen, wenn es kleinere Tsunamis gab, die hier gar nicht so selten sind. 
Dann spritzen praktisch bei dem Riff die Wellen plötzlich drei oder bis zu 5 m hoch und es schäumt alles weiß – das sind die Wellen, die unter Wasser nach dem Tsunami-Ausbruch irgendwo im Atlantik hier an Land kommen – aber nicht zu uns direkt am Strand, sondern vorher gegen das Riff knallen. Und dann geht es mit diesen Wassermassen mit voller Wucht steil nach oben in die Luft, und danach fällt das Wasser in sich zusammen.

Nach diesem System hofften wir, dass auch diese Monsterwellen, die uns erreichen sollten, durch das Riff geschützt werden respektive sich dort so abschwächen, dass sie uns nur noch in geringer Kraft und Menge erreichen.

Am Dienstagnachmittag gab es dann eine erste Regenwolke.
Sie war wesentlich stärker als der normale kurze Regen.

Ich hatte mich inzwischen mit Nelly darauf verständigt, dass wir die nächste Nacht nicht im Condominium verbringen würden. Wir hätten in dieser Nacht sowieso nichts machen können. Entweder kommt das Wasser oder es kommt nicht. Entweder halten die Eisen vor den Fenstern oder sie halten nicht. In keinem Fall würden wir selber irgendetwas ändern oder ausrichten können.

Ich hatte zwar die Schlüssel für ein Apartment in einem Nachbarhaus im oberen Stockwerk, das einem Schweizer gehört und wo wir ein bisschen für Ordnung sorgen, wenn es Probleme gibt während der Zeit, in der er nicht da ist – aber auch dorthin zu ziehen würde an unserer eigenen Hilflosigkeit nichts ändern.

Außerdem war die Überlegung, wenn tatsächlich das Condominium überflutet wird und wir nach oben ziehen müssen, würden auch automatisch die beiden Autos, die wir hier auf dem Parkplatz hinter den Häusern stehen haben, total unter Wasser stehen und allein das wäre schon für uns ein Argument, zumindest diese Autos in Sicherheit zu bringen.

Also fing ich Dienstag mittag an, mein Leben einzupacken.
Das geschieht im Prinzip relativ schnell und einfach.
Ich habe alles, was mich und meine Familie betrifft, auf zwei Computer gespeichert plus diverse Festplatten plus zwei oder drei wirklich wichtige Aktenordner – da gibt es alles, von Geburtsurkunde bis zum Testament und alles was dazwischen liegt – alles einigermaßen geordnet. Wenn ich das alles schnell in einen Koffer packe und mitnehme, habe ich im Grunde alles bei mir, um auch später meine Freunde und Verwandte entsprechend ärgern zu können. Also angefangen zu packen und in einer halben Stunden war alles fertig.

Mein Leben wiegt, wie ich dann gesehen habe, ca. 26 Kilo.
Nelly machte einen kleineren Koffer für sich fertig.

Darin waren die überlebenswichtigen Schminksachen, ihre Religion und vor allen Dingen ihre Verantwortung. Denn die Verantwortung wiegt bei vielen Menschen ja am meisten.

Auch diesen Koffer schleppte ich dann am späten Nachmittag zum Auto. Wir übergaben die Schlüssel unserer Wohnung den Wachleuten, die hier ausharren mussten. Aber falls alles schlimm werden sollte, hätten sie dann bei uns noch zumindest jede Menge Wasser und Vorräte.

Ich hatte in Higuey – der Provinzstadt, ca. 50 km entfernt – in einem Hotel ein Zimmer für uns besorgt für die Zeit, solange der Hurrikan hier toben würde.

Wir fuhren dann mit zwei Autos bei strahlendem Sonnenschein gegen 18 Uhr los und kamen nach einer knappen Stunde um 19.00 in Higuey an.

Diese Provinzhauptstadt war zu diesem Zeitpunkt total einsam und verlassen. Alle großen Geschäfte waren inzwischen verbarrikadiert und mit den unzähligen Brettern vor den Fenstern sah alles aus wie eine alte Wildwest-Film-Kulisse. Das Hotel entpuppte sich als großer moderner Bau. Vier Stockwerke und vor sechs Jahren gebaut.

Ich habe es nach kurzer Zeit in Fitnesshotel umgetauft.
Der Grund war, dass wir Zimmer im dritten Stock bekamen und auf die Frage, wo denn der Lift sei, zeigte man kurz und schmerzlos auf die am Ende der Lobby befindliche kleine, steile Treppe.

Ich weiß nicht, wann ich zuletzt 50 Kilo drei Stockwerke hochgeschleppt habe, aber offensichtlich ist das schon eine ziemliche Weile her.
Als ich zum Schluss mit Nellys Koffer in unserem Zimmer ankam, bat ich sie festzustellen, ob der Arzt sofort oder etwas später kommen sollte.

Das Zimmer war normal und auch normal ungemütlich. Wir gingen eine Kleinigkeit essen, McDonald ist auch bei Sturm, Regen und Schnee immer offen. Alles andere war geschlossen. Gegen 21.00 Uhr blieb uns nichts weiter übrig, als einfach ins Bett zu gehen, Licht auszuschalten und zu schlafen.

Der Fernseher im Raum brachte auf allen Kanälen die Meldungen über Irma.
Aber auf dominikanische Weise. Das bedeutet: extrem viel Blabla und extrem wenig Fakten.

Da es inzwischen überall in der Dom Rep dunkel war, hatte man keine Live-Aufnahmen von irgendwo her.
Außerdem sollte der Sturm ja erst in 3 oder 4 Stunden eintreffen.
Und bis dahin wurde – wie in Deutschland vor dem Fußballspiel – immer nur gelabert.

Durch die Aufregung der letzten Stunden oder vielleicht auch der letzten beiden Tage waren wir sehr müde und schliefen schnell ein.
Uns wurde von der Rezeption vorher noch mitgeteilt, dass man auch in Higuey fest mit Stromausfall rechnen würde und es würde irgendwo im Zimmer eine Kerze sein. Aber ob es Streichhölzer gab und wo die Kerze sei, das wusste niemand.

Ich hatte in meinem Notgepäck immer eine Taschenlampe dabei – aber was sollten wir sonst hier im Zimmer oder im Hotel auch machen.
Avisiert waren auch hier extrem starke Regenfälle und ein wirklich extremer Wind.

Aber das Hotel selber machte einen sehr soliden Eindruck, so dass ich mir über Einsturzgefahr keinerlei Sorgen machte. 
Bevor wir einschliefen ein kurzer Blick aus dem Fenster – alles dunkel, also auch hier totaler Stromausfall, wie prognostiziert.

Dann wachte ich auf – von einem ohrenbetäubenden Lärm geweckt.
Dieser Lärm war einfach fürchterlich.

Man hatte uns zu unserem eigenen Wohlbefinden ein Zimmer nach hinten gegeben. Das Hotel befand sich direkt an der großen Einfallstraße von Punta Cana nach Higuey, auf der normalerweise in jeder Minute fünf schwere Lastwagen die Straße rumpoltern. Außerdem gab es, wie bei jedem größeren Hotel, auf der Strasse vor dem Hotel viele Pflasterstein-Hindernisse und die Asphaltnägel, die bewirken sollten, dass der Verkehr ruhiger vor dem Hotel verläuft. In Wirklichkeit war der Lärm in unserem Hotelzimmer aber nur immer ein einziges Gedröhne.

Straßen-Hindernisse durch Nägel im Asphalt oder Buckel quer über die Strasse hören sich in der Konsequenz anders an. Um unser Wohlergehen besorgt, hatten wir beim Einchecken von der Rezeption ein Zimmer extra nach hinten hin bekommen. Trotzdem war der Lärm, als wir aufwachten, extrem.

Es war ungefähr 1:00 Uhr in der Nacht, als ich aufwachte und ich war etwas überrascht, dass der Sturm jetzt schon in voller Stärke in Higuey angekommen war. Diesen Lärm zu beschreiben ist nicht ganz einfach, ich will’s trotzdem versuchen:

Vor 20 Jahren plante die deutsche Regierung eine Hochgeschwindigkeits-Trasse zwischen Hamburg und Berlin. Den berühmt-berüchtigten Trans-Rapid. Diese speziellen Züge sollten mit 300 km Geschwindigkeit in weniger als 1 Stunde die beiden großen Städte Berlin und Hamburg verbinden.

Da es keine Möglichkeit gab, hierfür spezielle Trassen zu bauen, kam man auf die glorreiche Idee, einfach diese Hochgeschwindigkeitszüge über und neben der Autobahn zu bauen – denn die Autobahn gehörte dem Staat.

Wir lebten schon in Witzhave und damit nur ca. 500 Meter von der Autobahn entfernt. Natürlich gab es in Witzhave, genau wie überall, große Proteste gegen diese neue Transrapid-Planung. Ein Hauptargument war der unheimliche Lärm, der dabei entstehen würde. Es gab zwar diverse Lärmschutzwälle in der Planung, aber die Leute, die wirklich davon etwas verstanden, fuhren mit den Leitern der Protestbewegungen ins Emsland, wo es bereits eine Versuchs-Strecke gab.

Ich habe in Witzhave bei einer solchen Bürgerversammlung einen Film gesehen, in dem der Lärm dieser speziellen Eisenbahn naturgetreu aufgezeichnet und wiedergegeben wurde. Der Lärm lag bei ca. 90 dB, das ist so, als ob man neben einem startenden Jumbojet schlafen will. Man muss sich im Prinzip sofort Ohrenschützer aufsetzen, sonst platzen die Gehörgänge.

An dieses Erlebnis, vor über 20 Jahren, wurde ich erinnert, als der Geräuschpegel vor unseren beiden kleinen Fenstern diese Lautstärke erreichte.

Ich selber habe noch nie in der Karibik einen so großen und schweren Sturm erlebt und dachte natürlich, das sei eine einfache Konsequenz des extrem starken Windes. Sehen konnte man aus dem Fenster nichts, weil, wie gesagt, alles ohne Elektrizität war.
Hören konnte man nur diesen Lärm und vorstellen konnte man sich im Prinzip nur einen Orkan draußen, der die Palmen umweht – und alles andere, was draußen noch passieren würde, war der eigenen Fantasie überlassen.

An Schlaf war jetzt nicht mehr zu denken.
Um überhaupt irgendwas zu machen, holte ich einen Computer raus und fing an, ein oder zwei Millionen Bilder von A nach B zu kopieren, nur um mich etwas abzulenken und zu beschäftigen. Aber irgendwann sagte der Computer, sein Akku sei inzwischen ziemlich leer – und ohne PC wollte ich auch nicht sein.

Ich überlegte noch einmal, was es eigentlich mit diesem Lärm auf sich haben könnte. Denn auch der größte Sturm hat nach meiner Erinnerung unterschiedliche Phasen. Mal ist er wirklich stark, dann wieder etwas weniger – auf jeden Fall bewegt sich so ein Lärmpegel in irgendeiner Form.

Ich hatte in früheren Jahren tagelange Regenstürme auf dem mittleren und oberen Amazonas miterlebt, ebenso tagelange heftigste Schnee und Windstürme in der Mongolei – alles war dabei aber letztendlich immer in unterschiedlichen Phasen und Stärken verlaufen.

Dieser Lärm draußen vor den Fenstern aber war völlig permanent und in absolut gleicher Frequenz. Das Ganze kam mir jetzt so komisch vor, dass ich meine Chefin bat, mal runter in die Rezeption zu gehen, um zu fragen, ob man eventuell ein anderes Zimmer hätte, was eventuell noch etwas ruhiger sei.

Frauen bekommen das immer besser hin als alte Männer, besonders wenn es sich dabei um einen Spaziergang über 6 Stockwerke handelt.

Sie kam dann wieder zurück mit der lapidaren Information, dass man vor einigen Stunden den befürchteten Stromausfall gehabt hätte und seitdem das Hotel mit der hoteleigenen Notstromaggregat-Anlage versorgt werden würde. Und dieses Notstromaggregat befand sich in einem Haus direkt 2 m entfernt von unserem Fenster.

Der riesige Krach kam also von einer großen Turbine, die wohl 20 oder 30 Jahre alt war und sicherlich gebraucht eingesetzt wurde und einen derartigen Krach machte, wie ich es in dieser Form noch nie erlebt hatte.

Es war jetzt klar was los war, und es war ebenso gut klar, dass dieser Lärm die nächsten Stunden weitergehen würde. Es war auch klar, dass wir über den eigentlichen Sturm, der draußen tobte oder auch nicht, überhaupt nichts wussten.

Bis Sonnenaufgang waren es noch 2 Stunden, irgendwie schafften wir es, auch diese Zeit noch im Zimmer zu verbringen. Total genervt und gerädert gingen wir dann um 6:30 Uhr runter und sahen, dass der Sturm selber draußen auf den Strassen gar nicht so viel Schaden angerichtet hatte.

Viele Bäume hatten Äste verloren, einige Palmen waren umgeknickt, ein paar Sachen aus den Häusern lagen auf der Straße, Gartenmöbel oder sonstige Sachen – aber im Prinzip war es so wie immer. Nach einem normalen großen Sturm gibt es in der Dom Rep eben immer viel Dreck und Müll, aber sonstige Schäden waren nicht zu erkennen.

Ab 7 Uhr sollte es dominikanisches Frühstück geben. Also einen kleinen Plastik-Becher, jeweils zu einem Drittel gefüllt mit Kaffee, Milch und Zucker, plus, wenn man Glück hat, eine Scheibe Toast.

Eine alte Dominikanerin kam, machte starken Kaffee und schmiss einige Scheiben Toast in einen Toaster, der natürlich nicht funktionierte, weil die Notstrom-Anlage nur die Zimmer bediente, aber nicht die kleine Küche des Hotels.

Dann wurden eben die Toastscheiben in der Pfanne heiß gemacht, viel Kokosöl und 3 Esslöffel guten Rum gaben Aroma und Kalorie.

Allmählich kamen aus allen Zimmern die Gäste in die Lobby. Alle gleich blass und gleich gerädert durch den Krach der vergangenen Nacht.

Ein kleines Mädchen, ca. fünf Jahre, wurde auf dem Arm der Mutter getragen und Nelly fing gleich an, mit beiden zu reden. Es war eine Familie aus Argentinien, die ebenfalls in Punta Cana als Touristen war und die aus eigener Verantwortung und aus eigener Entscheidung am vergangenen Abend per Taxi von Punta Cana nach Higuey gereist war, um sich hier zumindest in der ersten Nacht in Sicherheit zu fühlen.

Man redete weiter, ein bisschen Kaffee, und wir luden die Familie – 3 Erwachsene und ein Kind – ein, mit uns in unseren Autos zurück nach Punta zu reisen. Sie waren über so viel Großzügigkeit und die Möglichkeit, hier mit „Einheimischen“ zu reisen, total glücklich und bedankten sich tausendmal.

Im Rahmen der Vorbereitung dieser kleinen Rück-Expedition von Higuey nach Punta Cana kam Nelly dann auch automatisch auf ihr Lieblingsthema zu sprechen, das ist das Benzin im Auto.

Ich hab noch nie einen Menschen erlebt, der so fasziniert ist von dem Anzeiger des Benzintanks im Wagen wie meine liebe Frau.
Wenn die Anzeige nur noch 80 % voll anzeigt, jagt sie mit Vollgas zu jeder Tankstelle am Wegesrand, um den 100-prozentigen Zustand wieder zu erreichen.

Und gestern nun die Fahrt mit zwei Autos von Punta Cana nach Higuey – wir waren wohl so in Sorge über alles, was kommen würde, dass wir total vergessen hatten zu tanken.

Das Auto, das ich fuhr, war tankmäßig noch zur Hälfte voll, das wusste ich. Aber bei Nelly wusste ich auch, dass der Tank schon beim Losfahren nur noch recht wenig anzeigte. Er würde wohl nicht mehr für die Rückfahrt nach Punta Cana reichen. Also sagte ich, ich würde mich jetzt nach dem Frühstück um das Tanken kümmern – es gibt in Higuey sieben Tankstellen, ich kannte sie alle.

Ich fuhr also frohen Herzen los, wurde dabei von diversen Polizei-Kontroll-Stellen vom Weg abgewiesen, weil da gerade wieder ein Baum oder eine Palme quer über der Straße lag und kam dann bei der ersten Tankstelle an.

Um es kurz zu machen: Ich erlebte dort das gleiche wie in den nächsten weiteren sechs Tankstellen. Einige verschlafene Wachleute winkten mir bei der Einfahrt in die Tankstelle schon zu und zeigten an, dass ich weiterfahren sollte.

Alle Zapfsäulen waren mit großen Plastiksäcken überzogen als Schutz gegen den Sturm und gegen den Einbruch – denn in der Dom Rep sitzen auch in der Nacht, wenn die Tankstellen geschlossen sind, auf jeder Tankstelle mehre Wachleute, die dafür sorgen, dass kein Benzin geklaut wird.

Der Grund, warum es nirgendwo an diesem Morgen Benzin im ganzen Ort gab, war mir in der zweiten oder dritten Tankstelle dann auch klar gesagt worden: Es gibt zwar jede Menge Benzin bei jeder Tankstelle, aber durch den Stromausfall gibt es keine Möglichkeit, die Pumpen für das Benzin in Gang zu setzen. Und keine Tankstelle hat eine eigene Notstromanlage.

Also entweder kommt der Strom von der Stadt und dann gibt’s Benzin, oder es kommt kein Strom von der Stadt und dann gibt’s eben kein Benzin.

Und das ganze wiederholte sich genau siebenmal, bis ich dann eine Stunde später wieder im Hotel eintraf.
Gott sei Dank hatte ich beim letzten Besuch in Higuey in einem Supermarkt zwei Plastikkanister gekauft. Das macht zwar niemand hier in der Dom Rep, aber irgendwann würde ich wahrscheinlich wieder Hochzeitstag haben und dann hätte ich jetzt schon ein Geschenk für meine Frau, das sie wirklich begeistern würde.

Richtige Benzin-Kanister, dreiviertel gefüllt mit richtigem Benzin, was gibt es schöneres in der Welt, wenn man damit spazieren fährt.
Und das Ergebnis dieser vorausschauenden Benzinkanister-Überlegung war, dass wir als einzige im ganzen Hotel oder wahrscheinlich im ganzen Ort in diesem Moment 20 Liter richtiges Benzin hatten, die wir unter Staunen der gesamten Menschen, die inzwischen in der Lobby waren und mitbekamen, was bei uns abging, die wir also in einer Aktion Benzin-für-die-Welt in den Tank schütteten, um dann gemütlich zurück nach Punta Cana zu fahren.

Die vierköpfige, argentinische Familie hatten wir für den Nachmittag eingeladen zu uns zu kommen, denn es stellte sich heraus, dass sie in einem Hotel VIC wohnten, das bei uns praktisch direkt in der Nachbarschaft lag. Sie waren über das Angebot sehr glücklich – denn noch einmal mit vier Personen 50 km Taxi zu fahren war sehr teuer. Außerdem hatten sie ihr gesamtes Gepäck mit sich genommen, weil sie nicht wussten, wie lange sie in Higuey ausharren würden, und sie wollten ursprünglich gleich von Higuey aus zum Flughafen nach Punta Cana, um irgendwie nach Argentinien zurückzukommen.

Jetzt weiß ich auch endlich, wie viel Übersee-Koffer insgesamt in unsere beiden Autos reingehen. Es sind außer den Lebensbeichten- und Lebensinhalt-Koffern von mir und dem Verantwortungs-Koffer meiner lieben Frau noch weitere vier große Schrankkoffer. Fünf davon gehen in unser großes Auto, und der restliche Schrankkoffer sowie die weiteren 21 Stück Handgepäck gehen in das kleine Auto.

Damit alles nicht so verrutscht, werden dann noch ein paar Personen dazwischen geschoben, um die Gepäckstücke während der Fahrt und in den Kurven festzuhalten.

Wir fuhren entsprechend gemütlich und entspannt nach Punta Cana zurück. Die erste Tankstelle am Zielort hatte Strom und Benzin und wir tankten so viel Benzin in alle Tanks und alle Kanister, wie eine Karawane, deren Kamele 30 Tage lang ohne frisches Wasser durch die Wüste getrampelt waren.

Ich hatte morgens mit unserem Freund Choco im Condominium telefoniert. Er war seit 5:00 Uhr im Condominium und sagte mir, dass außer viel Dreck und Schmutz und einigen umgekippten Sachen keine weiteren Schäden da waren. Das Meer würde während des Sturms über den gesamten Strand gelaufen sein und die Wellen waren bis kurz vor unsere Hauswände gekommen, aber dann war Gott sei Dank Schluss.

Das war natürlich eine gute Nachricht und so fuhren wir erst unsere argentinischen Besucher ins Nachbarhotel und dann zurück zu uns.
Dieser Weg war umständlich, denn man musste laufend umgestürzten Zweigen und kleinen Bäumen und Palmen ausweichen, aber man kam zum Schluss gut bei uns zu Hause an.

Der Strand war extrem dunkel und dreckig, aber das war klar.
Die Wohnung hatte keinerlei Schäden und Strom war auch wieder da.

Gegen Mittag hatte ich meine Vergangenheit auch wieder in mein Büro installiert und alles funktionierte einigermaßen.
IRMA war inzwischen weitergezogen und machte erheblich mehr Schäden an anderen Stellen im Norden der dominikanischen Republik.
Eine mittelgroße Stadt hat besonders gelitten. Aber das war allen klar, denn diese Stadt, die ebenfalls direkt am Atlantik liegt, war aus irgendwelchen Gründen vor hundert Jahren zu 90% unterhalb des Meeres-Spiegels gebaut worden. Bei jedem größeren Gewitter oder längeren Regen soff die Stadt schon von ganz alleine ab. Und wenn jetzt der Sturm mit den riesigen Wassermengen über diese Stadt raste, so war sie wirklich an allen Stellen das Venedig der Karibik.

Dann ging der Sturm weiter Richtung Haiti, wo er Gott sei Dank wesentlich weniger Schäden anrichtete als befürchtet.

Ich fuhr dann, nachdem ich alles hier bei uns wieder aufgeräumt hatte, in den Ort, um ein bisschen Kuchen zu kaufen, denn wir hatten ja als Kontrastprogramm die vier Argentinier für den Nachmittag zu uns zum Kaffee eingeladen.

Was ich nicht wusste war, dass es sich um eine Großfamilie handelte von insgesamt zehn Leuten, teils aus Buenos Aires und teils aus anderen argentinischen Provinzen, ich hab das nicht so ganz mitbekommen.

Aber man war sehr fair und stellte mir in dem Hotel, als ich sie abholte, die sechs übrigen Mitglieder nur kurz vor.

Diese 6 wollten gestern Nachmittag nicht mit nach Higuey. Dafür verbrachten sie eine Nacht im Badezimmer, mit jeweils einer Matratze in und neben der Badewanne.

Ich verzichtete, sie nach dem Lärm einer Notstrom-Anlage zu fragen, sie hatten schon genug gelitten.

Nach einem netten Klönschnack mit unseren neuen Freunden aus Argentinien auf unserer Terrasse ging dieser lange Tag dann gemütlich zu Ende.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich selber durch Irma wieder einiges gelernt habe und ich es keinem wünsche, in einer ähnlichen Situation zu sein. Das Schlimmste dabei ist auf der einen Seite die Verantwortung und auf der anderen Seite die Ungewissheit, ob man hier am Strand durch Monsterwellen erschlagen wird und ersäuft oder nicht.

Da wir diesen Sturm glücklich überstanden haben, bin ich für die nächsten Unwetter an sich recht optimistisch. Schlimmer kann es nicht werden – und dann brauche ich auch in Zukunft keine weiteren Berichte mehr über solche Situationen zu schreiben.