Island – die erste

Es gibt in Hamburg eine größere Menge von Menschen, die mögen Island nicht.

An sich haben sie nichts gegen die Isländer selber, sondern einfach sehr viel gegen alle diejenigen, die gern mal dieses Land ganz oben im Norden der Welt besuchen möchten.

Es sind dies ausschließlich Hamburger, die in der Nähe des Flughafens leben.

Der Grund ist ziemlich einfach und irgendwie auch leicht nachvollziehbar:

Die letzten Flüge, die abends, oder besser gesagt in der Nacht Hamburg verlassen, fliegen alle nach Island.

Und die allerersten Maschinen, die ganz früh morgens donnernd in Hamburg auf dem Flughafen wieder landen – die kommen aus Island.

Ich bin in meinem Leben schon häufig nach Island geflogen und es ist immer derselbe Ablauf:

Ein Flug von Deutschland nach Island dauert ziemlich genau 3 Stunden. Entsprechend auch der Rückflug. Und bei einem Aufenthalt in Island von ungefähr 1 Stunde fürs Tanken, Rausschmeißen der Passagiere und Reinstopfen der nächsten Passagiere, braucht man für alles zusammen immer ziemlich genau 7 Stunden.

Und so sieht das dann in der Realität aus:

Abends die letzten Flüge so kurz vor elf gehen von Hamburg nach Island. Um 2 Uhr morgens ist man in Reykjavík, der Hauptstadt von Island. Dann 1 Stunde Aufenthalt und die gleichen Piloten mit der gleichen Bordbesatzung fliegen umgehend, um drei Uhr morgens, wieder zurück nach Hamburg. Sie landen dann als meist erste Maschine genau 6:01 Uhr wieder in Hamburg.

Die offizielle Nachtruhe im Hamburger Flughafen von 11 – 6 Uhr  wird also eingehalten, aber vor der Nachtruhe und bei Beginn des neuen Tages ist für die armen Flughafen-Anwohner das kleine  Island immer der letzte und der erste Flug, dessen Lärm sie ertragen müssen.

Wenn man sich das alles so durch den Kopf gehen lässt, ist es logisch und weder die Isländer noch die Touristen, die dorthin und wieder zurück fliegen, noch die Anwohner am Hamburger Flughafen können irgendetwas für diese Situation. 

Aber deswegen bleibt trotzdem das Thema Island-Flug in jeder größeren deutschen Stadt, die einen Flughafen hat, ein Dauerthema.

Für die Fluggesellschaften selber ist eine Reise nach Island immer ein willkommener Anlass, ihre Maschinen weiter auszunutzen.

Nirgendwo in Europa können sie nachts starten und landen – aber dieser kleine Ausflug nach Island bringt für alle Fluggesellschaften die Möglichkeit, nachts noch etwas zusätzlich Geld zu verdienen.

So war es also jetzt auch in unserem Fall.

Nanda, Nelly und ich starteten kurz vor neun zuhause in Witzhave, um dann kurz vor elf nach Island loszufliegen. Nach 3 Stunden und bei einer Zeitverschiebung von 2 Stunden kommt man dann in Island an – und zu dieser Nachtzeit ist auf dem Flughafen wirklich die Hölle los.

Tausende und Abertausende von Passagieren stehen, liegen, schlafen, dösen oder beschäftigen sich sonst wie in den Ankunfts- und Abflugsbereichen. Zwischen Mitternacht und 3 Uhr morgens fliegen praktisch im Minutentakt die Flugzeuge von Island nach Europa.

Südeuropa, Mitteleuropa, Osteuropa und sogar Flugziele im asiatischen Russland werden von Island aus bedient. Es ist in dieser Zeit zwischen Mitternacht und 3 Uhr morgens kein Plätzchen irgendwo auf dem Flughafen zu ergattern, wo man sich etwas auszuruhen kann. Alles strömt, fließt und drängelt irgendwohin.

Nach unserer Ankunft kommt man in die Halle, in der das Gepäck von den Gepäckbändern abgeholt wird. 

In dem Moment, als wir dort eintrafen, waren ungefähr 15 oder 20 Flugzeuge avisiert, deren Gepäck jetzt kommen sollte. Hunderte von Trolleys oder sonstigen Gepäckkarren knallten aneinander, aber irgendwie war es doch ehrlich gesagt gut organisiert. Wir hatten nach einer geringen Wartezeit unsere drei großen Taschen und die nächste Etappe war jetzt, das gebuchte Auto zu finden und zu bekommen.

Ein Auto zu buchen, also einen Mietwagen, ist in Island eines der teuersten Angelegenheiten. Im letzten Jahr hatten wir gut über 1.200 € dafür zu zahlen, in diesem Jahr waren wir einige Tage länger als im letzten Jahr auf Island und mussten fast 2.000 € hinblättern, um einen normalen Mittelklassewagen zu bekommen.

Weil das so ist und weil es auch bekannt ist, wie teuer das Automieten auf Island ist, versucht jeder, so günstig wie möglich ein Auto zu ergattern.

Ich hatte es bei der gleichen Gesellschaft gebucht wie im letzten Jahr. Sie hat ihr Büro und ihre Autos aber nicht direkt am Flughafen, sondern einige Kilometer entfernt.

Natürlich gab es eine große Anzahl von ankommenden Passagieren, die ebenfalls bei dieser Autovermietung ihren Wagen im Voraus gebucht hatten.

Das läuft dann ungefähr so ab:

Alle Viertelstunde kommt ein Kleinbus von dieser Autovermietung zum Flughafen und holt die Mietwagen-Kunden mit ihrem gesamten Gepäck ab. In so einen Bus gehen mit Gepäck acht oder neun Menschen, die restlichen müssen dann warten, bis der Bus nach einer viertel oder halben Stunde wieder kommt.

Für uns war es inzwischen so ungefähr zwei oder 3 Uhr morgens nach deutscher Zeit, als wir endlich mit irgendeinem dieser Autovermietungsbusse zur eigentlichen Autovermietungs-Zentrale gefahren wurden.

Dort angekommen, wimmelte es von Touristen, die alle übernächtigt, übermüdet, frustriert oder sonst wie beschädigt herumstanden oder herumsaßen. Man musste eine Nummer ziehen, genauso wie bei jeder deutschen Behörde. Und über den Schreibtischen der Angestellten dieser Autovermietungsgesellschaft leuchteten dann alle paar Minuten die entsprechenden Nummern auf, die gerade bearbeitet werden sollten.

Als wir ankamen, hatten wir noch neun oder zehn Nummern vor uns. Also wieder 1 Stunde warten. Nanda war inzwischen selig eingeschlafen, Nelly schlief halb gebeugt über Nanda, damit Nanda nichts passiert und ich entdeckte in einer Ecke einen Kaffeeautomaten, bei dem man Kaffee, Wasser, Tee, Kakao oder sonst was bekommen konnte.

Das war alles kostenlos.

Das war auch gut so, denn der einzige Unterschied zwischen diesen verschiedenen Getränken bestand ausschließlich in der Farbe.

Aber wenn man davon alle 5 Minuten wieder einen Pappbecher geschluckt hat, ist man irgendwie kurz vor dem Nirwana, es kommt der Moment, wo einem alles egal ist.

Darauf haben natürlich die Autovermieter auch spekuliert.

Denn wenn man endlich seine Formalitäten erledigt hat, wird das Auto vorgeführt, genauso gründlich wie in der Dom. Rep.

Jede kleinste Schramme wird fotografiert und dokumentiert. Nicht zum Wohle der Kunden, sondern einzig der Gesellschaft. Denn wenn man das Auto dann nach Ablauf der Reise wieder zurückbringt, haben sich auf wundersame Weise die Schrammen, Dellen oder sonstigen Verschmutzungen und Verformungen  vermehrt. Und das wird dann alles automatisch von der Kreditkarte, die man vorher blanko unterschrieben hat, abgebucht.

 

Das konnten wir, respektive ich, denn Nelly und Nanda waren jetzt im extrem Tiefschlaf, noch gut beobachten.

Denn diejenigen, die jetzt ihren Urlaub beendet hatten, mussten ihre Autos auch zu dieser Stelle hinfahren, und hier wurden dann auch, von kurz vor Mitternacht bis in die frühen Morgenstunden, die reinkommenden Autos von den Angestellten der Autovermietung sorgsam wieder mit Taschenlampen angeleuchtet und es wurde alles aufgeschrieben, was man nur irgendwie feststellen konnte.

Den Menschen, die ihr Auto zurückbrachten, war das ganz egal, sie hatten nur die eine Befürchtung, jetzt zum Schluss durch diese ganze Prozedur noch ihren Flug zu versäumen, denn sie wussten ziemlich genau, dass beim Einchecken Hunderte von Menschen den gleichen Flug haben wollten – und bei diesem Gedränge will natürlich wirklich niemand zurückbleiben.

Auch irgendwie komisch. 

Zuerst wollen sie alle nach Island, und zum Schluss will keiner freiwillig auch nur einen Moment länger auf Island bleiben.

So gegen vier hatte ich dann endlich unsere drei toten Taschen und unsere zwei halbtoten Damen in unserem Auto verstaut und es konnte losgehen.

Der Flughafen von Island liegt ca. 60 km entfernt von der Hauptstadt Reykjavik, an einem südlichen Zipfel der Insel, wo praktisch nur der große Flughafen ist.

Es wird in Island kein einziger Bauer, kein Pferd und kein Schaf durch Fluglärm gestört, Island ist sehr groß und hat zurzeit ca. 320.000 Einwohner, d.h. es gibt in ganz Europa kein Land, wo weniger Menschen auf 1 qm leben als in Island.

Wir mussten also dann über die sehr guten Straßen vom Flughafen zur Hauptstadt und dann noch einmal 1 Stunde in das Gebiet fahren, indem Nanda und wir die nächsten Wochen verbringen wollten.

Es war inzwischen natürlich hell, und das Wetter war ziemlich isländisch. Es regnete manchmal, und wenn es aufgehört hatte zu regnen, dann fing es an zu nieseln. 

Der Nieselregen wurde entweder mehr oder weniger, aber es hat weder gehagelt noch wurde es irgendwann trocken.

Dadurch, dass wir im letzten Jahr schon mit Nanda hier waren und sie auf dem gleichen Pferde-Hof leben konnte wie im letzten Jahr, wusste ich den Weg natürlich sehr genau.

Wir selber hatten relativ spät dieses Jahr gebucht und da es in Island eben nur ganz begrenzte Unterkunftsmöglichkeiten gab und wir zudem noch so nah wie möglich an dem Bauernhof von Nanda wohnen wollten, so mussten wir in diesem Jahr zwei kleine Hütten buchen. 

Einmal eine Hütte für die ersten zehn Tage, die war ca. knapp 10 km vom Bauernhof entfernt und dann eine weitere Hütte für die letzten zehn Tage in einem Gebiet, was ich noch nicht so gut kannte, aber die Distanz zu Nanda von dort sollte auch nur maximal 15 km betragen.

Es gibt in diesem Gebiet von Island nur Gras, flache Berge, Bauernhäuser und Tausende von kleinen Holzhütten. 

Jeder Isländer hat irgendwo in diesem Gebiet sein Sommerhäuschen, wie er es nennt. Es sind meist recht einfache Holzhäuser, die eben von allen Isländern während ihrer kurzen Sommerzeit zwischen Juni und August benutzt werden. Da die Isländer – aus mir ziemlich unerfindlichen Gründen – überwiegend recht wohlhabend sind, errichten sie meist nach zehn Jahren ein neues Sommerhaus, und das alte wird dann an die Touristen vermietet.

Wenn man das weiß, reduziert sich die Erwartung natürlich auch entsprechend.

Von dem kleinen Häuschen, dass ich also jetzt über das Internet gebucht hatte, war mir nur eine ziemlich lakonische Beschreibung mitgegeben worden. Fahr die Straße Nummer soundso 5 km, dann ist da Schild auf Isländisch, und da fährst du rein, und da ist dann das Haus.

Dazu gab es 2 Fotos des Hauses, und das war’s dann.

Den Eingang zu dem Gebiet, wo das Haus stehen sollte, fand ich aufgrund des isländischen Schildes auch ziemlich schnell.

Aber dann gab es ein kleines Problem. Es befanden sich hinter diesem Eingang so 25–30 kleine Holzhütten. Ohne Nummern, ohne Namen, ohne alles.

Es war neben dem Eingang zu diesem Gebiet ein großes neues Schild aufgestellt, auf dem drauf stand, dass hier demnächst 30 Häuser gebaut werden und man sie kaufen konnte.

Ein großer Teil dieser Häuser war schon fertig.

Wir standen also jetzt morgens um fünf vor der Frage, wie wir unter diesen 20 Holzhäuschen unsere Hütte finden konnten. 

Eine Frage, auf die ich ehrlich gesagt in diesem Moment selber keine Antwort hatte.

Wir analysierten dann die beiden Fotos, die der Vermieter uns geschickt hatte.

Das Haus sollte dunkelrot gemalt sein. Das ist die Standardfarbe in Island, 90 Prozent aller Häuser sind dunkelrot. 

Es sollte rechteckig mit einer Terrasse sein, auch ein Standard, den alle Sommerhäuser in Island haben.

Es gab dann noch einige Besonderheiten auf dem Bild, zum Beispiel, dass im Hintergrund ein doppelstöckiges Haus zu sehen war, was sehr selten hier auf dem Lande ist.

Wir fanden weit und breit kein doppelstöckiges Haus.

Wir fuhren dann vier verschiedene Wege ab, durch das gesamte riesige Neubaugebiet. Es standen insgesamt vielleicht vier oder fünf Autos vor den Häusern, ein Zeichen, dass diese bewohnt waren. 

Und unter allen unbewohnten sollte sich jetzt irgendwo unser neues Heim befinden.

Wir analysierten dann die Form des Daches, der Treppen, des Geländers und alle Details, die wir auf den beiden Bildern sehen konnten – aber richtig fündig wurden wir nicht, also wirklich kein spontanes Aha-Erlebnis.

Nachdem wir nun dieses ganze Gebiet morgens zwischen 5 und 6 Uhr früh genau abgefahren und kennengelernt hatten, musste irgendetwas passieren.

Wir einigten uns gemeinsam darauf, dass ein Haus eventuell der Beschreibung, respektive des Bildes, in etwa entsprechen könnte. 

Nur war es nicht dunkelrot, sondern beige gestrichen.

Aber es hatte an der Vorderfront einige Bretter, die ähnlich den Brettern waren auf dem Foto. Nur war auf dem Foto vor den Brettern noch ein großes Schild, wir haben das Schild einfach mal weggedacht und uns dann vorgestellt, dass dieses Haus in der anderen Farbe und in einer ähnlichen Grundkonstruktion, vielleicht das Haus sein könnte.

Es gab jetzt nur noch ein ganz kleines Problem.

Vor dem Haus stand ein neuer sauberer Wagen mit isländischem Nummernschild. Isländische Nummernschilder haben alle Autos und neu sind auch die meisten, aber die neusten sind normalerweise die Autos der Autovermietungen, welche die Touristen dann bekommen.

Ich musste jetzt endlich irgendetwas Konkretes tun. 

Ich ging oben auf die Veranda und schaute durch die verschiedenen Fenster in den einzigen großen Raum. Ich wusste von der Beschreibung unseres Hauses, dass unser Haus auch nur aus einem großen Raum bestehen sollte.

An der Längsseite des Innenraumes war ein großes aufgeschlagenes Bett, im dem ein kräftiger, jüngerer Mann selig schlummerte.

Es gab dann noch ein Sofa, das man aber nur schemenhaft erkennen konnte, und ob dort auch jemand schlief, war nicht zu erkennen.

Ich hustete.

ich hustete stärker.

Ich räusperte mich.

Ich rutschte ein bisschen mit den Schuhen auf dem Holzparkett der Terrasse hin und her.

Ich fing dann mit einem fröhlichen und permanent wiederholten  „Hallo“ an, die um das Haus grasenden Kühe, Schafe, die Vögel und hoffentlich auch die Menschen zu erfreuen.

Das fröhliche Hallo war vielleicht nicht genug, ich wollte gerade eines meiner Lieblingslieder anfangen zu brüllen, als sich die Bettdecke in der Mitte des Zimmers bewegte. 

Kurze Zeit später – was inzwischen passierte möchte ich hier nicht weiter schildern – stand ich einem jüngeren und gut durchtrainiertem Paar gegenüber.

Jetzt war der Moment gekommen, in dem ich ein unverfängliches „Guten Tag“ auf ungefähr 10 Sprachen artikulieren konnte. 

Chinesisch und Plattdeutsch verstanden sie nicht so richtig, aber bei der französischen Variante blitzten ihre ansonsten noch recht feindseligen Augen kurz auf.

Ich hatte meine Papiere natürlich dabei und eine Bestätigung, dass ich ab diesem Tag – also ab Freitag – das Haus gemietet hatte.

Ich weiss wohl, dass man in jeden Hotel oder Gasthaus erst ab Mittag einchecken kann, aber nach meiner privaten Logik war Freitag eben ein Tag, der eine Minute nach Mitternacht anfing. 

Und Freitag heißt Freitag.

Die beiden erklärten mir, dass sie so gegen elf das Haus verlassen würden, dann käme ja noch die Putzkolonne, denn sie hätten auch eine Endreinigung bezahlt in ihrem Mietvertrag und ansonsten baten sie mich höflich aber bestimmt zum Teufel zu gehen.

Ich konnte sie ehrlich gesagt einigermaßen verstehen, denn wenn ich mich in deren Lage versetzen würde, hätte ich morgens um sechs auch keine Lust, eine größere Diskussion mit irgendwelchen Leuten zu führen, die auf meiner Terrasse stehen und mein Haus besetzen wollen.

Zumindest war jetzt der Ablauf der nächsten 6 Stunden irgendwie planbar.

Ich selber fiel vor Müdigkeit irgendwo in mich zusammen, ich war jetzt wohl über 25 Stunden auf den Beinen. Meine Damen hatten zwar in den letzten Stunden im Auto etwas geschlafen, aber sie sind es gewohnt, dass sie doch irgendwie stoisch hinter dem Großvater herdackeln, und somit zogen wir dann also wieder weg. 

Ich hatte jedenfalls unser Haus gefunden.

Vier Kilometer entfernt von diesem Gebiet verläuft die Ringstraße, die einzige Straße, die rund um Island führt. An der Stelle, wo wir zur Ringstraße kommen, war ein großer Parkplatz, denn dort ist auch gleichzeitig Busstation und Rastplatz für Leute, die mal eine kurze Pause machen wollen. 

Diesen Platz kannte ich vom letzten Jahr. Ich fuhr also hin, verrammelte die Türen und sagte meiner lieben Familie jetzt gute Nacht für die nächsten 2 oder 3 Stunden. Richtig bequem machen konnte ich es mir nicht, denn auf dem Rücksitz lagen noch diverse große Taschen, aber die Liege- oder Schlafposition war inzwischen wirklich sekundär.

Einfach die Augen zu und den Hosenknopf auf, die Schuhe aus und die Arme zwischen Autotür und Kopf als Kopfkissen – ich war in 1 Minute eingeschlafen.

Irgendwann zwischen neun und zehn weckte ich dann meine Familie, die inzwischen auch den dritten, vierten oder fünften Anlauf genommen hatte, in dieser Nacht irgendwie bruchstückweise etwas Schlaf zu finden.

Dann fuhren wir in den nächsten etwas größeren Ort, ca. 20 km entfernt, um dort zu frühstücken und das nötige einzukaufen, was wir brauchten, um die nächsten Tage in unserem hoffentlich dann freigewordenen Häuschen zu verbringen.

Das Ganze hat dann auch gut geklappt, der Schock über die isländischen Preise war zwar noch genauso stark wie im letzten Jahr, aber darüber will ich hier jetzt nicht berichten.

Gegen Mittag kamen wir dann wieder bei unserem Häuschen an, und es war sauber und leer. 

Irgendeine Putzfrau hatte inzwischen ein bisschen aufgeräumt, unsere französischen Busenfreunde waren endgültig entfleucht und wir konnten das Zimmer aufschließen, das Sofa in ein kleines Bett umfunktionieren und Nanda und Nelly fielen ins größere Bett und ich auf mein Sofa.

Irgendwann am späten Nachmittag sind wir dann aufgewacht und konnten vor Kraft nicht laufen.

Alles andere danach war normal, am Abend etwas von Olympia gesehen, und am nächsten Vormittag wurde Nanda dann zu ihrem Bauernhof gefahren.

Große freudige Begrüßung, verbunden mit der Feststellung, dass sie in einem Jahr wieder einen Kopf größer geworden ist, und alles war o.k.

So, ich hatte an sich vor, irgendetwas Wesentliches über Island und vielleicht auch über meine persönliche Beziehung zu diesem Land zu schildern – aber das werde ich mir aufbewahren für einen nächsten Bericht.

Und mit dieser Drohung mach ich jetzt Schluss.

Gruß

Opa Thewes

PS:

Abends bekam ich eine E-Mail vom Vermieter. 

Ich war schon auf einige der übelsten Beschimpfungen gefasst, denn morgens um 6 seine Gäste in dieser Form zu belästigen war sicher nicht ganz die elegante Art – aber er bat nur ganz höflich und freundlich sehr um Entschuldigung, genauso, wie er sich bereits bei den Franzosen entschuldigt hatte…

Er hätte sich bei seinen Buchungen um einen Tag geirrt und unsere Ankunft in seinem Kalender erst für den kommenden Tag  eingetragen.

So ein Dummerchen.

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