Island – eine kleine Familien Geschichte
Drei Brüder
Die drei Brüder konnten unterschiedlicher nicht sein.
Der Älteste
Sein Name war Ernst.
Er war körperlich der Größte, ansonsten ziemlich verschlossen. Gelegentlich aufbrausend und herrisch. Er ließ kaum eine Gelegenheit aus, seine überdurchschnittliche Intelligenz seine Mit-Menschen spüren zu lassen.
Der Mittlere
Von seinen Eltern auf den schönen Namen Arnold getauft, war er etwas kleiner und untersetzt. Dafür aber fröhlicher und ein immer zu jedem Spaß bereiter Kamerad. Dass er auch sehr klug war, brauchten die andere nicht zu wissen. Sie würden es schon gewahr werden, sobald es zu seinem Vorteil war.
Der Jüngste
Er wurde geboren, als der Name Herbert in Mode kam. Er war von Beruf Nachkömmling.
Schmal, sportlich und seinen beiden Brüdern in nichts nachstehend. Aber er war eben 15 Jahre jünger.
Entsprechend konnte er weder mit seinen Brüdern noch diese Brüder mit ihm während der gemeinsamen Jugendjahre irgend etwas anfangen.
Gemeinsamkeiten
Immerhin gab es zwei Gemeinsamkeiten, die alle drei von ihrem Vater geerbt hatten. Sie waren von Jugend an Brillenträger und trugen den Scheitel rechts.
Hamburg
Die Zeiten, die sie in ihrer Jugend in Hamburg verbrachten, waren angenehm.
Dann aber kam in Deutschland ein Mann an die Macht, der in wenigen Jahren das Heimatland zerstörte. Es begann ein Weltkrieg und die beiden älteren Brüder mussten früh zum Militär. Der jüngste war gerade mal 18, als er Soldat werden musste. Seine gesamten Jahre des Erwachsenen-Werdens waren dadurch für ihn verloren.
Begeisterung
Der Älteste begeisterte sich für die neue Regierung und stieg in der Hierarchie der Herrschenden auf.
Glimpflich
Der Mittlere beschäftigte sich hauptsächlich damit, ein irgendwie ruhiges und angenehmes Plätzchen auf dieser Welt zu finden. Er schaffte es, die Kriegsjahre einigermaßen glimpflich zu durchlaufen.
Brücken bauen
Der jüngste war technisch sehr begabt. Beim Militär wurde er einer Pionier-Abteilung zugeteilt. Er lernte wie man Brücken baut und sie wieder zerstört. Und wie man Telefone in irgendwelchen Kriegsgebieten aufbaut und dann schnell wieder abbaut.
Außerdem
Er lernte die unterschiedlichsten Dinge kennen. Dabei auch in einem kleinen Dorf in der Nähe von Hamburg eine reizende junge Frau. Soviel zu meinem Vater und meiner Mutter.
Anmut
Der mittlere konnte sich erfolgreich von größeren Kampftruppen und sonstigen unangenehmen Sachen drücken.
Er lernte ein Jahr vor Kriegsende in einem kleinen Ort in Süddeutschland eine ebenfalls ganz bezaubernde junge Frau kennen. Zusätzlich zu ihrer Anmut und ihren immer freundlich blitzenden Augen, hatte sie eine Aussprache, die jeden, der ihr zuhörte, verzückt.
Dialekt
Es gab und gibt in Deutschland Hunderte von unterschiedlichen Dialekten.
Aber diese Aussprache dieses jungen Mädchens war im wahrsten Sinne des Wortes einmalig.
Sie sprach fast fließend Deutsch. Aber mit einem Singsang in der Stimme den niemand vorher gehört hatte. Das war nicht weiter verwunderlich, denn sie stammte aus der nördlichsten Stadt dieser Welt.
Ganz oben
Kurz vor dem Nordpol liegt die große und geheimnisvolle Insel Island.
Es gibt auf dieser Insel dort ganz im Norden einen sehr langen Fjord. Am Ende dieses Fjordes liegt ein kleiner Ort mit dem Namen Akureyri.
Und hier wurde sie geboren, ging zur Schule, lernte Deutsch und wurde als Tochter des Bürgermeisters am Ende ihrer Ausbildung nach Deutschland geschickt um dort zu studieren. Wer einmal gehört hat, wie die Isländer Deutsch sprechen, wird bestätigen dass es etwas Besonderes ist, ihnen zuzuhören.
Zumal wenn sie dabei grammatisch und inhaltlich fließend unsere schwere deutsche Sprache sprechen können. Aber immer mit diesem nicht zu verbergen Sing-Sang-Akzent.
Das neue Leben
Maya – so hieß sie – und Arnold verliebten sich am Ende dieses schrecklichen Krieges. Anders als die allermeisten Menschen in Deutschland konnten die beiden sofort nach Kopenhagen ausreisen. Sie nahm ihren Arnold mit und sie heiraten auf dieser Reise zwischendurch irgendwo und irgendwann.
Und damit begann für den fröhlichen Arnold sein neues Leben auf Island. Arnold wurde mein Patenonkel und gleichzeitig mein Lieblingsonkel
Der Anfang
1945 wurde ich in der kleinen Eulenspiegelstadt Mölln geboren. Arnold und Maja waren zu der Zeit irgendwo auf dem Nordatlantik – heute würde man sagen auf Arctic-Honeymoon. Damals jedoch war es eine lange Reise in Finsternis und Kälte.
Prima
Mit sechs Jahren war ich alt genug, um die vielen Menschen unserer großen Familie ein bisschen zu unterscheiden und zuzuordnen.
Arnold war derjenige, der zwar sehr wenig zu uns nach Hamburg kam. Aber wenn er da war, dann war alles ganz prima.
Briefmarken
Was mich als nächstes mit Island verband, waren die Briefmarken. Besser gesagt nicht die kleinen gezackten Papierschnipsel, sondern die ersten schönen Geschäfte, die man als ganz junger Mensch damit machen konnte.
Das Kontor
Mein Vater war inzwischen Chef unserer Familien-Handelsgesellschaft. Sie verdiente sich ihr Geld, indem sie unaussprechliche Rohwaren aus noch unaussprechlicheren Ländern nach Hamburg holte.
Dies alles wurde in den alten Hamburger Speicherhäusern eingelagert und dann irgendwann später an irgendwelche Fabrikbesitzer in Süddeutschland, Ungarn, Schweiz, Russland oder wo auch immer verkauft.
Diese Kunden kamen nach Hamburg, besichtigten die Schätze in den Warenhäusern und kauften dann das, was wir in den Speichern eingelagert hatten.
Normale Handelsfirmen hatten ihr Büro. Alteingesessene und Traditionelle hatten ihr “Kontor“. Unser Kontor war direkt am Hamburger Rathausmarkt.
Kommunikation
Das ganze Geschäft spielte sich normalerweise per Brief ab. Ganz selten wurde mal ein Telegramm geschickt. Etwas anderes, wie zum Beispiel Telex, Fax oder sonstige Kommunikation gab es in den fünfziger und sechziger Jahren nicht.
Privileg
Eines der ganz wenigen Privilegien, die ich als ältester von drei Geschwistern hatte, war, dass ich jeden Sonnabend als erster den Briefumschlag aufmachen durfte, den mein Vater aus dem Kontor mitbrachte.
Er selber wusste nie genau, was alles in diesem Umschlag war. Denn das Füllen des Umschlags mit Briefmarken war alleine Aufgabe seiner Sekretärin.
Sie musste jeden Morgen die eingetroffene Post aufschlitzen und dabei die Briefmarken aller ausländischen Briefumschläge feinsäuberlich mit einer Schere ausschneiden und in eine Dose stecken.
Die Dose
Der Inhalt dieser Dose der Pandora wurde mir dann am Sonnabend-Nachmittag feierlich überreicht.
Ich hatte daraufhin den ganzen weiteren Nachmittag damit zu tun, die Briefmarken abzulösen. Feinsäuberlich in Seifenwasser gelegt konnte man sie nach einer gewissen Zeit vom Papier lösen, trocknen und war stolzer Besitzer vieler kleiner bunter Schnipsel.
Der Keller
Am Sonntagmorgen waren alle neu eingetroffenen Briefmarken getrocknet. Und am Nachmittag konnte ich endlich damit in den Keller unserer Villa rennen.
Dort wohnte das Hausmeisterehepaar, sie hießen Familie Söhl. Sie war zuständig für Wäsche und Gewäsch. Er für die Heizung und den Garten. Sowie für die liebevolle Pflege unseres Autos und unseres Kindermädchens.
Sein Hobby war das sammeln von Briefmarken. Er hatte in der Ecke des Wohnzimmers im Souterrain einen ganzen Schrank voller dicker Alben. Er kannte von den Briefmarken her die allermeisten damaligen Länder und Städte.
Die Börse
Was immer ich ihm an Ausbeute jeden Sonntagnachmittag vorlegte, er prüfte es genau. Es waren überwiegend Briefe aus Südamerika, Australien, Indien, China und sonstigen exotischen Ländern. Diese Marken hatte er aber selber schon fast alle.
Und wenn nicht, dann tauschte er sie auf einer Briefmarkenbörse. Die fand einmal in der Woche in der Eckkneipe statt und gelegentlich durfte ich ihn dahin begleiten.
So lernte ich einen ganzen Haufen von älteren und immer dicke Zigarren rauchende Rentner kennen.
Vorteil
Dieser Briefmarken-Börse hatte einen einzigen, aber großen Vorteil.
Ich war wohl der einzige Mensch in ganz Hamburg, der ständig Nachschub von abgestempelten aktuellen Briefmarken aus Island aus seiner kleinen Dose hervorzaubern konnte.
Zu dieser Zeit gab es auf Island nur eine kleine Hand voll deutscher Einwohner. Und deren Kommunikation war offensichtlich nicht besonders aufregend.
Mein Patenonkel Arnold aber schrieb gerne und viel und immer interessant mit seiner alten Schreibmaschine. Er war damit im Kontor der einzige ausländische Mitarbeiter, dessen Korrespondenz man gut lesen konnte.
Die meisten anderen ausländischen Mitarbeiter unserer Firma – sie lebten in Buenos Aires, Sankt Petersburg, Hongkong und Melbourne – schrieben ihre Berichte per Hand. Mit viel ausgelaufene Tinte und dazu noch oft in Sütterlin, einer altdeutschen Schriftart- in der mein Großvater ein Spezialist war. Aber auch der einzige.
Höhepunkt
Arnold schrieb aus Island über seine dortigen Geschäfte und seine Arbeit für unsere Familie. Über den geschäftlichen Inhalt seiner Briefe habe ich in meiner Jugend nichts mitbekommen. Aber dass diese Briefmarken aus Island alle völlig korrekt abgestempelt waren, das war in Fachkreisen schnell bekannt.
Und abgestempelte Briefmarken aus extrem exotischen Gebieten wurden unter Sammlern hoch bezahlt.
Unser Hausmeister bat mich irgendwann, dass ich ihm eine bestimmte große Briefmarke aus Island besorgen sollte. Und zwar abgestempelt. Diese Briefmarke war die teuerste einer neu aufgelegten Serie der isländischen Post.
Sie hatte ein Gegenwert von ungefähr fünf Deutsche Mark, damit war sie teurer als die teuerste deutsche Briefmarke. Niemand in Island schrieb so dicke und lange und schwere Briefe- dass er sie mit solchen teuren Briefmarken hätte bekleben und abschicken müssen.
Päckchen und Pakete aus Island nach Deutschland gab es praktisch nicht. Und wenn, dann wurden sie in Island in bar bezahlt, hatten also keine Briefmarken.
Businessplan
Ich schrieb einen längeren und detaillierten Businessplan an meinen lieben Onkel Arnold nach Reykjavík. Darin schlug ihm vor, zehn Briefumschläge mit irgendwelchen Inhalten zu schicken und jeden Briefumschlag mit zehn dieser ganz teuren 50 Kronen Marke zu frankieren. 50 Kronen waren in dieser Zeit ca. 5 D-Mark.
Von unserem Hausmeister hatte ich gehört, dass man so viele Briefmarken auf einen Brief kleben konnte wie man wollte. Hauptsache das Mindest-Porto für diese Brief-Sendung war in Briefmarken aufgeklebt. Wenn eine Postsendung total überfrankiert war, so spielte es für Post überhaupt keine Rolle.
Ich versprach meinem Onkel, dass ich ihm den Wert dieser 100 Briefmarken bei seinem nächsten Besuch in Deutschland erstatten würde. Ich selber hatte inzwischen Angebote von 8-10 Mark pro Stück pro korrekt abgestempelter isländischer 50 Kronen Briefmarke.
Selbst nach Abzug aller Nebenkosten – so schloss ich meinen ersten Businessplan – würde so viel Geld übrig bleiben, wie ich ansonsten von meinen Eltern in drei Jahren als Taschengeld erhalten würde.
Verdient
Es klappte alles prima. Ich bewahrte das Geld aus dem Verkauf dieser Marken für meinen Onkel auf. Bezahlte ihn dann beim nächsten Hamburg-Besuch und hatte so im stolzen Alter von zehn oder elf Jahren meine ersten 300 DM verdient.
Neid
Das nächste, was ich mit Island in Verbindung brachte, war der Neid meiner Freunde.
Als ich 14 oder 15 Jahre alt war kam eines Tages mein lieber Onkel Arnold zusammen mit seiner Frau Maja und ihren beiden Töchtern Helga und Hilde.
Beide in Island geboren und dort aufgewachsen. Helga und Hilde waren reizende junge Mädchen. Beide sprachen sehr gut Deutsch und beide in diesem komischen und so nett anzuhörenden isländischen Sing-Sang Ton.
Sie waren drei oder vier Jahre älter als ich.
Bei diesem Besuch wohnten diese beiden jungen Elfen in der Villa unserer Familie. Und fingen schnell an, sich zu langweilen.
Am zweiten Abend wurde der Familienrat einberufen. Einziges Thema war, was man mit diesen beiden hübschen jungen Damen machen sollte.
Arnold und seine Frau spielten abends am liebsten mit meinen Eltern Bridge. Also bekam ich 20 oder 30 DM in die Hand gedrückt und sollte jetzt im stolzen Alter von 15 Jahren zum ersten Mal mit diesen beiden exotischen Teenagern auf die Piste.
Piste
Meine Kenntnisse über die entsprechenden Lokale waren sehr begrenzt.
Ich kannte nur einige Bunker in Hamburg- wo ich zusammen mit Freunden etwas Jazzmusik spielte. Jede Klasse in jedem Hamburger Gymnasium hatte eine Klassen-Band, und alle diese Hunderte von Schüler Jazz-Bands spielten die gleichen fünf Jazzklassiker. Und dabei blieb es, denn keiner konnte Noten lesen.
Ich bezweifelte, dass diese Bunkeratmosphäre das Optimale für die beiden mir anvertrauten jungen Grazien war. Also gingen wir erst in unseren Tennis- und Hockeyclub.
Der dortige Kellner kannte das gesamte Hamburger Nachtleben. Sowohl aus eigener Erfahrung als auch aus den vielen Erzählungen fast aller männlichen und weiblichen Klubmitglieder. Er gab mir eine Liste der einschlägigen Lokale und wir zogen los.
Es war die Zeit der Cocktails und Liköre.
Farbig
Die Gläser, die man in solchen Etablissements bekam, um sie zu bewundern und zu trinken, waren mit irgendwelchen grünen, blauen, rosa oder schokoladenbraunen meist dicken Flüssigkeiten gefüllt.
Über diesem undefinierbaren Inhalt waren die Gläser zusätzlich noch mit einem Papier-Hüttchen, einem mehrfarbigen Strohhalm und schließlich noch oftmals einem kleinen Anhänger am Glasrand dekoriert. Dieser Anhänger meist in Form einer stilisierten Nummer.
Die Nummer sollte man sich merken, damit man möglichst nur aus dem Glas trank, dessen Nummer man serviert bekommen hatte.
Unterschied
Nach kurzer Zeit gab es für uns alle keinen Unterschied bei Farben und Nummern. Die Gläser, die ich dann mit meinen beiden inzwischen leicht aufgeregten jungen Begleiterinnen in irgendwelchen Bars auslutschte, sie waren grün, rot oder blau.
Als die Gläser leer waren, waren unsere Köpfe voll. Ebenfalls mit den Farben dieser Welt. Wie und wo ich diesen ersten Cocktailabend meines Lebens mit den beiden nordischen Engeln zum Schluss verbracht habe weiß ich bis heute nicht.
Tugendhaft
Nach drei Tagen gingen die Kopfschmerzen etwas zurück und wir wussten wieder, wo in etwa wir uns befanden.
Ob Arnold und Maja diese ersten Eskapaden ihrer beiden hübschen Töchter je in der gebührenden Ausführlichkeit erzählt bekommen hatten weiß ich ebenfalls nicht.
Ich möchte es aber in Anbetracht ihrer sonstigen tugendhaften Erziehung bezweifeln.
Auf den Händen
Das nächste, was ich mit Island in Zusammenhang brachte, waren die dummen Sprüche einiger Mannschaftskameraden aus der Hockeymannschaft meines Vaters.
Mein Vater spielte seit seiner Geburt in einem renommierten Hamburger Tennis und Hockeyclub. Seine Mannschaft bestand aus elf Spielern. Darunter 13 Akademiker und weitere vier oder fünf Professoren.
Gemeinsam hatten sie das Bedürfnis, den Sonntagmittag nicht mehr nüchtern erleben zu müssen. Morgens wurde überall in Hamburg Hockey gespielt. Und dann ging es zum Feiern. Siege, Niederlagen oder Unentschieden zählten nicht. Hauptsache gespielt. Man wartete dann in gemütlicher Runde nach jedem Spiel nur auf dem Moment, wo der Rechtsaußen dieser trinkfreudigen Altherren-Mannschaft anfing, auf den Händen zur Herrentoilette zu laufen.
Dort konnte er dann in dieser etwas ungewöhnlichen Position ins Becken pinkeln ohne zu tropfen.
Zahnarzt
Einer der Mannschaftskameraden meines Vaters war Zahnarzt. Die Treffen unserer Familienmitglieder mit ihm konzentrierten sich jedes Jahr auf den Spätherbst.
Das Paket
Zu dieser Zeit kam regelmäßig ein größeres Paket aus Island. Und es stank schon fürchterlich, bevor es auf dem Hauptpost-Zollamt von den dortigen Beamten aufgemacht und kontrolliert wurde.
Es hatte eine zehntägige Schiffsreise von Reykjavik nach Hamburg hinter sich und wohl noch zusätzlich zwei Wochen auf dem Hamburger Zollamt.
Zoll
Jedes Paket, was aus dem Ausland kam, musste erst mal durch den Zoll. Mit der dabei obligatorischen Zollinhaltserklärung für diese Sendung aus Island konnte der brave Hamburger Zollbeamte nichts anfangen.
Sie bestand aus einer Reihe lateinischer Wörter. Diese Wörter wiederum waren aus isländischer Sicht nötig, denn bei dem vermuteten Inhalt dieser Pakete handelte es sich um größere Mengen ehemals strahlendweißer isländischer wilder Vögel.
Schneehühner
Schneehühner sind auf Island wild lebende Hühner. Relativ klein und dort eine absolute Delikatesse.
Schrot
Da die Isländer beim Jagen in der eisigen Kälte kräftig trinken, nehmen sie aus Prinzip immer nur Schrotgewehre mit.
Nach dem Motto “ irgendeine dieser Schrot-Kugeln wird schon irgendetwas treffen “ scheuchen sie dann im dunklen und harten Winter irgendwo in den Bergen eine Gruppe von Schneehühner hoch und ballern dann auf die aufgescheuchte kleine Vogelherde soviel, wie sie zum Ballern bei sich haben.
Tod
Diese vom Himmel gefallene Hühner-Ernte wird dann begutachtet. Danach wird die Mehrzahl der kleinen Vögel für tot erklärt und alle wandern sie – so wie sie sind mit Federn, Kopf und Krallen – in einen Pappkarton.
Plastik gab es zu dieser Zeit in Island noch nicht. Der Karton wurde mit Zeitungspapier ausgestopft und anhand des Datums dieser Zeitung konnten wir später in Hamburg ziemlich genau feststellen, wie lange der brave Vogel schon im Hühnerhimmel war.
Latein
Vor dem Versand nach Deutschland musste in Island eine Exporterklärung für diesen inzwischen schon leicht feucht gewordenen Karton gemacht werden.
Und da in Island das Bildungsniveau sehr hoch ist, sollten für alle Biologieexporte die lateinischen Namen in die Exporterklärung eingesetzt werden.
Egal
Es war aber im Grunde genommen egal, ob in diesem Dokument der Inhalt auf Latein, chinesisch oder isländisch geschrieben war. Für jeden braven deutschen Zollbeamten war der Inhalt einer solchen Erklärung in keiner Form nachvollziehbar
Küche
Irgendwann landeten die Reste dieses Pakets dann bei uns in der Küche. Meine Mutter war einige Tage lang damit beschäftigt den Inhalt zu rupfen, auszunehmen und irgendetwas anderes damit zu machen, worüber ich hier nicht weiter berichten will.
Gletschergockel
Dann war es soweit.
An einem Sonntag und mit größtmöglicher Familienbeteiligung saßen wir mittags am Tisch und meine lieben Eltern begrüßten die Gäste zur alljährlichen Gletscher-Gockel Schmause. Die meisten der älteren Familienmitglieder kannten dieses Ritual schon aus vielen Gelegenheiten vergangener Jahre.
Warum sie trotzdem immer wieder kamen ist mir bis heute nicht klar.
Spucken
Kaum war das dunkelbraune Fleisch dieser Minihühner auf die vielen Teller verteilt, begann das große Spucken. Vor dem eigentlichen Spucken meist noch mit einem gepflegten Stöhnen und Fluchen.
Eine isländische Schrotpatrone besteht offensichtlich aus vielen 100 kleinen Schrotkörnern. Diese Schrotkörner aus dem Fleisch zu lösen ist ein Ding der Unmöglichkeit.
Gebiss
Ein gut funktionierendes menschliches Gebiss ist in der Lage, Fleisch von Eisen zu unterscheiden. Ein gut trainiertes Gebiss schafft es auch, dass sein Inhaber Prioritäten setzt. Das Fleisch soll man schlucken, die Schrotkörner soll man spucken.
So ein Essen isländischer Schneevögel dauerte bei uns immer mehrere Stunden.
Meisterschaft
Nach einigen Jahren gab es in der Familie im Herbst familieninterne Meisterschaften im Weit-Spucken von Schrotkörnern.
Einige davon wurden erst Jahrzehnte später hinter der Heizung gefunden. Aber egal wer, wann, und wie weit Spucken konnte – obligatorisch war der Besuch beim freundlichen Mannschafts-Zahnarzt.
Unterschied
Viele der älteren am Tisch konnten nicht immer zwischen Fleischknochen und Schrotkörnern unterscheiden. Sie verschlucken dann schon manchmal die Schrotkörner, um mit den Knochenresten der Schneehühner besorgt unseren lieben Zahnarzt aufzusuchen.
Der Zahnarzt schickte danach die Ergebnisse seiner gründlichen Metall-Untersuchungen ans deutsche Zahnarztmuseum. Dort befindet sich die weltweit größte Sammlung von isländischen Schrotkörnern, fein sortiert nach Gewicht und Kaliber.
Traurig
Die ältere der beiden isländischen Schwestern hieß Helga. Sie war inzwischen eine bildhübsche junge Frau geworden.
Sie arbeitete für die neu gegründete isländische Nationale Luftfahrtgesellschaft als Stewardess. Da sie neben isländisch auch fließend Deutsch, Englisch, Französisch und Dänisch sprach war sie sehr beliebt und wurde schnell befördert.
Mitte der sechziger Jahre bekamen wir am Ostersonntag einen Anruf aus Island. Es wurde uns mitgeteilt dass Helga beim Flugzeugabsturz in Norwegen ums Leben gekommen war. Keiner der Passagiere und der Besatzung hat diesen Absturz überlebt.
Ich habe dann einige Jahre keinen Kontakt mehr zu meiner Familie in Island gehabt. Wir wussten alle nicht genau, wie wir mit diesem Schicksalsschlag fertig werden sollten. Gott sei Dank hat der Mensch die Fähigkeit, auch sehr tragische Geschehnisse irgendwann zu verarbeiten – und das war bei uns in der Familie dann auch der Fall.
Fridolin
Das Leben geht weiter. Die nächste Geschichte ist fröhlicher. Es ist die Geschichte von Fridolin. Aber sie bedarf einer kurzen Einführung.
Von Feuerland nach USA
Als ich 21 war, wurde ich zur weiteren Ausbildung nach Südamerika geschickt. Über diese Zeit gibt es einiges zu erzählen. Aber nicht heute und nicht hier.
Zwischen Feuerland und dem oberen Amazonas machte ich meine Grundausbildung in gepflegter Schizophrenie. Vorbild war die Geschichte von Doktor Jekyll und Mister Hyde. Entsprechend lernte ich in diesen großen Gebieten Südamerikas sowohl das Auftreten als seriöser Hamburger Kaufmann als auch als erfolgreicher Schmuggler und Abenteurer. Mit diesem gepflegten Halb-Wissen sollte ich dann in der USA weitere Einblicke in das internationale Leder- und Pelzgeschäft bekommen.
Und von New York aus war vorgesehen, dass ich wieder zurück nach Hamburg an den Schreibtisch ins Kontor geschickt werden sollte.
Dritte Klasse
Auf dem Weg in den USA ging mir in Mexiko das Geld aus. Die Gründe spielen hier ebenfalls keine Rolle.
Hätte ich die Tatsache als solche und deren Begründung nach Hamburg gemeldet, hätte ich sowieso kein Vorschuss für die Weiterreise nach New York bekommen. Also verbrachte ich eine Woche in der dritten Klasse eines Bummelzugs von Mexiko-City quer durch USA nach New York. Nur weil ich inzwischen Spanisch sprach verhungerte ich nicht vollständig.
Ich schaffte es sogar gelegentlich, die drei Mexikaner aus der Zug-Toilette raus zu bekommen, die dort den größten Teil der Reise verbrachten. Sie waren Profi auf dieser Strecke und sammelten erst alle alten Zeitungen ein, die irgendwo auf den Abteilen rumlagen.
Dann kassierten sie Eintritt für den Besuch auf ihrer Toilette. Und wenn´s ein kleines Trinkgeld gab, wurde dem Aspiranten ein Ausriss aus den Wirtschafts- und Börsen Seiten dieser Zeitungen überreicht.
Erst zum Lesen und dann zur weiteren Verwendung.
Lernen
In New York lernte ich bei einem Geschäftsfreund meines Vaters die notwendigen Kniffe, um auch in dieser Branche einigermaßen überleben zu können. Außerdem lernte ich meine seinerzeitige Verlobte noch einmal kurz kennen.
Regina
Kurz vor meiner Expedition nach Südamerika hatte ich mich mit einer netten Hamburgerin verlobt. Sie hieß Regina und von ihr blieben mir drei Sachen im Gedächtnis.
Verlobung
Um die geplanten 2-3 Jahre im südamerikanischen Exil einigermaßen zu überstehen, wurde uns geraten, dass wir uns vorher verloben sollten.
Das Mühlenkamp Fährhaus war seinerzeit die erste Adresse für Hamburgs kommerzial-Aristokratie. Für die Familien der beiden Jungverlobten war der gesamte erste Stock dort reserviert worden.
Küche
Die Küche dieses noblen Restaurants war im Keller. Dafür war sie aber gut und teuer. Das Menü war ausgesucht und 60-80 ziemlich schwarz gekleidete Menschen warteten geduldig an einer langen Tafel.
Nach einiger Zeit begann die große Langeweile. Nach 1 Stunde hatten auch die Fantasievollsten keine dummen Sprüche für das junge Verlobungspaar mehr in ihrem Repertoire.
Geschäftsführer
Nach 2 Stunden kam statt des Essens der Geschäftsführer.
Er begann mit einer großen Entschuldigung. Die vier Kellner, die das in der Küche perfekt vorbereitete Menü zusammen in einer Gruppe an unseren Tisch bringen sollten, hatten auf dem Weg zu uns einen Unfall.
Sie waren kurz vor Erreichen des ersten Stocks alle zusammen die große Treppe runter gefallen.
Die Reste des Tabletts und dessen Inhalt seinen aber inzwischen wieder zusammengefegt worden.
Er fragte freundlich, ob wir die Feier am nächsten Wochenende wiederholen würden.
Der Rechtsanwalt unserer Familie, der unter den geladenen Gästen war, fing laut an zu überlegen ob die Verlobung nun vollzogen sei oder nicht.
Borgward
Das zweite das ich mich erinnern konnte, wenn ich an Regina dachte, war die Tatsache dass sie nie so richtig an mich kuscheln konnte.
Der Grund war mein Burgward – ein Auto der absoluten Extraklasse. Ich hatte mir vom am ersten Lehrlingsgehalt einen damals schon uralten Borgward gekauft. Der Rost hielt ihn aber noch zusammen. Ich benötigte dieses exklusive Fortbewegungsmittel, um jedes Wochenende zwischen Hamburg und Kassel hin und her zu pendeln.
Kassel
Kassel liegt genau 304 km von Hamburg entfernt. Dort arbeitete ich als Lehrling in einer großen Gerberei und hatte auf der Rückseite des Fabrikgeländes ein kleines Zimmer.
Beifahrer
Regina wollte mich natürlich als zukünftige Frau derer von Henckell so oft wie möglich nach Kassel begleiten.
Sie saß dann auf dem Beifahrersitz und hielt dabei ein großes dickes Stück Tau krampfhaft in ihren beiden Händen. Dieses dicke Band war nötig, denn die Türschlösser meines Borgwards funktioniert nicht mehr richtig.
Besonders die Beifahrertür ging während der Fahrt weder richtig auf noch zu.
Damit Regina zusammen mit mir einigermaßen lebend in Kassel ankommen oder wieder zurückkommen konnte, musste sie also 304 km lang ihre Autotür mit diesem dicken Tau geschlossen halten.
Kraft
Nach der fünften oder sechsten Fahrt nach Kassel und zurück in dieser etwas ungewöhnlichen Form erklärte sie mir, dass sie keine Kraft mehr habe. Ich solle in Zukunft alle Türen meiner Limousine selber halten, sie würde dann so lange in Hamburg warten.
Irgendwann ist danach nicht nur das Tau im Auto sondern auch das Band zwischen uns gerissen.
Knaller
Dann kam das letzte Kapitel.
Regina kam nach New York um mir zu sagen, dass unsere langjährige Fernbeziehung zu Ende sei. Sie habe keine Lust mehr und beabsichtige, sich jetzt fürchterlich in ihren Chef zu verknallen.
Ob sie es dann so gemacht hat oder mit irgendeinem anderen Mann geknallt hat weiß ich nicht. Sie flog allein von New York nach Hamburg zurück. Ich habe sie seitdem nie wieder gesehen.
Fridolin
Zurück zu Fridolin.
Ich sollte von New York aus zu einer weiteren geschäftlichen Ausbildung zurück nach Hamburg kommen. Mein Vater hatte dafür als vermögender und entsprechend sparsamer Chef herausgefunden, was die seinerzeit günstigste Flugverbindung von New York nach Hamburg war.
Sie führte über Island und wurde von der nationalen isländischen Luftfahrtgesellschaft durchgeführt. Diese Gesellschaft war kurz zuvor gegründet worden. Man hatte ein paar alte viermotorige Propellerflugzeuge gekauft. Diese hatten den Krieg irgendwie überlebt und flogen jetzt die ersten Touristen und Abenteurer über den Atlantik.
Immer mit einem Stopp-Over in Island.
Ich bekam also Order mir so ein Ticket zu besorgen.
Telegramm
Einige Tage vor dem Abflug bekam ich ein Telegramm.
Telegramme gab es in unserer Familie nur bei mehrfachen gleichzeitigen Todesfällen oder sonstigen dringenden geschäftlichen Erfolgen. Was mich beim Öffnen dieses Telegramms erwartete wusste ich nicht. Auf alle Fälle wohl nichts Gutes.
Es war jedoch vom am lieben Onkel Arnold aus Island und der Inhalt war ziemlich kurz und lakonisch. “Bring einen guten großen Truthahn mit, so 5-7 Kilo, tiefgekühlt. Arnold“
Tiefgekühlt
Meine Erfahrungen mit dem Transport tiefgekühlter Truthähne waren bis dahin relativ gering.
Wie lange würden sie brauchen, bis sie schön matschig aufgetaut sind?
Kann man sie im Gepäck mit aufgeben?
Braucht man in der USA Exportpapiere für solche Vögel?
Und für die Einreise in Island irgendwelche Dokumente?
Es gab niemanden, den ich hätte um Rat und Hilfe fragen können.
Der Name
Ich versuchte trotzdem irgendwelche Antworten auf diese ganzen Fragen zu bekommen. Es war absolut hoffnungslos.
Dann versuchte ich es mit einem andern Namen. Statt immer nur Truthahn oder das englische Wort Turkey für diese ganze Aktion benutzen zu müssen, gab ich diesem schönen 5-7 Kilo Vogel von jetzt ab den Namen Fridolin.
Supermarkt
Im Supermarkt wurde mir schnell klar, wie groß so ein tiefgekühlter Fridolin von 5-7 Kilo ist. Er würde in keinen Koffer passen.
Und deshalb beschloss ich ihn als Handgepäck mitzunehmen.
Handgepäck
In den alten Propellerflugzeugen war der Raum über den Sitzen für das Handgepäck extrem klein. Die Soldaten legten ihre Waffe dort hinein und das war’s dann. Ich würde also gezwungen sein, meinen lieben Fridolin irgendwie neben mir platzieren zu müssen.
Aber niemand konnte mir sagen oder garantieren, das während des 8 – stündigen Fluges der Platz neben mir für mein 5-7 Kilo Begleiter frei sein würde.
Plan
ich hatte in den Jahren meiner Schmugglertätigkeit am Amazonas und in den anderen Gebieten zwischen Feuerland und Mexiko viel gelernt. Das wichtigste war man hat einen richtig guten Plan. Ohne Plan geht Nix, mit Plan geht’s fix.
Als erstes besorgte ich mir jetzt einen großen – ehrlich gesagt einen sehr großen – Transportkorb. so einen Transportkorb wie er oftmals für Bernhardiner mit Whiskyfläschchen um den Hals sowie für kleine Tiger oder Galapagos – Riesen -Schildkröten verwendet wird.
In der York gab’s alles, ich musste nur eine Woche suchen.
Dann war soweit. Das Prachtstück von Transportkorb was sich gekauft hatte war ungefähr so groß, dass ich Fridolin da reinlegen konnte, um ihn dann im Flugzeug auf den Sitz neben mir zu platzieren.
Das Archiv
Gleichzeitig stöberte ich intensiv in meinem Privatarchiv. Ich wollte Fridolin einen schönen neuen Lebenslauf geben. im Laufe der Zeit hatte ich in Südamerika eine ziemlich vollständige Sammlung gefälschter Exportpapiere zusammengetragen. Und diese dann alle feinsäuberlich in meinem Reiseordner abgeheftet.
Dokumente
Solche Dokumente braucht man immer dann, wenn man Felle oder Pelze von Südamerika nach Europa senden möchte. Es sind meist Bescheinigungen einer Regierung, in der bestätigt wird, dass es sich nicht um eine geschützte Art handelt. Und solche Dokumente hatte ich mehr als wohl jeder andere auf dieser schönen Welt.
Erfindung
Not macht finderisch. Und ich war gelegentlich in Not.
Dann war es nötig, etwas kreativ zu werden. Also erfand ich immer wieder neue Tierarten, die es schlicht nicht gab, aber die es ja vielleicht doch hätte geben können.
Liste
Die Liste meiner von mir auf die Welt gebrachten Tiere war lang. Und das war nötig, denn die Liste der Zollbehörde, die Jahr für Jahr immer mehr Tierarten auf ihre Verbots-Listen setzten, wurde auch immer länger.
Aber Tiere und deren Produkte, die nicht auf der offiziellen Zoll-Liste standen, waren dann ja nicht verboten. Und was nicht verboten war, war nach allgemeiner Zoll-Logik erlaubt.
Man brauchte dieser Artikel nicht schützen und erlaubte deren Handel, Import und Export. Ich hatte auf diese Art und Weise nach einigen Jahren eine sehr illustre Tierfamilie in meinen Dokumenten. Jeder Zoodirektor würde mich darum beneiden.
Darunter waren:
brasilianische Breitmaulkatzen.
Kolumbianische Grinseaffen.
Peruanische Doppelhaar- Ottern
Bolivianische Hochland Yaks.
Sowie eine ganze Reihe weiterer Geschöpfe meiner privaten Arche Noah. Bunt
Alle Bescheinigungen waren von mir in Südamerika im Laufe der Jahre liebevoll entworfen worden. Alle hatten viele bunte Stempel und viele Unterschriften mit viel bunter Tinte. Ein Teil davon wird man wahrscheinlich heute noch im Hamburger Zollmuseum als Rarität besichtigen können.
Steppenhund
So ein Zertifikat nahm ich dann und füllte es sorgfältig aus.
Als Gattungsbezeichnung erhielt mein 5-7 Kilo Freund den schönen lateinischen Namen Fridolinus Fridolinus. Unter Bemerkung stand, dass es sich um die seltene Unterart eines mexikanischen Steppenhundes handelt.
Doppelte lateinische Namen wirken noch wissenschaftlicher als wenn es nur ein Wort ist.
Fridolin war also jetzt ein mexikanischer Steppenhund, der von mir nach Deutschland gebracht werden sollte. So stand es jedenfalls in diesem schönen Zertifikat. Auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Guarani.
Guarani ist die Sprache der Ureinwohner in Paraguay. Sie hatte den Vorteil, dass sie dort zwar seit Jahrhunderten gesprochen wird, es aber es bis heute davon keine Schriftform gibt. Also war auch die Übersetzung aus dem Guarani nicht so richtig nachzuverfolgen.
Zugedeckt
Dann kaufte ich eine große und richtig bunte amerikanische Decke. Diese legte ich über den Transportkorb.
Wenn man mich jetzt am Flughafen fragen würde, wen ich da in diesem großen Korb unter der schönen bunten Decke transportieren würde, dann brauchte ich nur sagen: Fridolin. Aber und schläft jetzt gerade – und schlafende Hunde soll man nicht wecken.
Einchecken
Das war inzwischen auch das Motto meiner Operation Fridolin geworden. Das Einchecken mit Fridolin am Flughafen New York funktionierte problemlos. Es gab genügend Passagiere die auf irgendwelchen Flügen irgendwelche Tiere mitnehmen. Und dass mein Fridolin ein Steppenwolf der etwas größeren Art war, das schien niemanden zu stören.
Er schläft
Im Flugzeug gab’s zweimal was zu essen. Jedes Mal wurde ich mitfühlend gefragt, wie es der meinem Begleiter ginge.
Wenn ich dann jeweils freundlich antwortete, danke, gut er schläft gerade, dann waren die Flugbegleiterinnen erleichtert und servierten in der nächsten Reihe weiter.
Angekommen
Nach 9 Stunden landeten wir in Island.
Ich hatte die ganze Nacht aus lauter Sorge um meinen lieben Fridolin kein Auge zugemacht. Jetzt war ich nur noch müde, aber an Schlaf war nicht zu denken.
Island
Vorsichtig nahm ich den großen Käfig mit dem immer noch schlafenden Fridolin unter der großen Decke in die Hand, stolperte die Gangway runter und war zum ersten Mal auf isländischen Boden.
Flughafen
Der Flughafen war zu dieser Zeit – es war Ende der sechziger Jahre – noch ganz klein und typisch isländisch.
Mehrere kleine Holz-Häuschen, gelegentlich irgendwelche Männer mit irgendwelchen Karren – ansonsten nur zwei oder drei alte Propellermaschinen, das war der ganze Flughafen.
Zoll
Aber natürlich gab es ein kleines Gebäude für Zollkontrolle und Gepäckausgabe. Und da musste ich jetzt mit Fridolin als nächstes rein.
Ich hatte die mexikanischen Papiere über meinen etwas groß geratenen Steppenwolf in meiner Jackentasche und wartete was jetzt passieren würde.
Begrüßung
Dann es geschah etwas, und zwar sehr schnell. Ich hörte in ziemlicher Nähe meinen guten Onkel Arnold plötzlich ganz laut rufen : “Hallo, Hallo Thewes, Hallo, Hallo …“
Er stand nur ungefähr 20 Meter entfernt von mir hinter einer kleinen Absperrung. Dazwischen waren zwei Tische aufgestellt, wo die ankommenden Passagiere ihr Handgepäck zeigen mussten und wo ihr Ausweis kontrolliert wurde.
Arnold rief als nächstes ziemlich laut und aufgeregt : „Thewes, zur Toilette, sofort zur Toilette“
Die Toilette auf Island
Ich wusste nicht was das bedeuten sollte und schaute mich erst mal um.
Am Ende dieses Raums, wo Gepäck, Pässe und Passagiere kontrolliert wurden, gab es zwei große Türen mit den Symbolen für Mann und Frau, also wohl die Toiletten. Aber was wollte mein lieber Patenonkel mit mir auf der Toilette?
Ich sah meinen Onkel fragend an und bemerkte, wie er auf der anderen Seite der Kontrolltische ganz gezielt auf diesem Toilettenkomplex zuging. Die WC Kabinen waren gegeneinander gearbeitet. Auf der einen Seite waren die beiden Toiletteneingänge für diejenigen, die die Passagiere abholten. Die also schon im Inland waren.
Auf der anderen Seite – also auf meiner Seite – gab es die gleichen Toiletten-Eingänge für diejenigen, die noch im Zoll-Ausland pinkeln wollten oder mussten.
Rauf aufs Klo
Mein lieber Onkel Arnold war noch nicht ganz fertig mit seinen Instruktionen. Er ging davon aus, dass niemand der isländischen Grenz-Beamten deutsch konnte und rief mir dann mit ganz lauter Stimme zu: „auf zur Toilette mit deinem Paket“.
Er meinte sicherlich Fridolin. Aber er wusste wohl noch nicht dass das Paket Fridolin hieß.
Da ich außer einer kleinen Aktentasche nichts bei mir hatte, nahm ich Fridolin in die linke Hand – ich bin Linkshändler und habe links mehr Kraft. Mit Fridolin in der linken und der Aktentasche in der rechten Hand ging ich zu der Herrentoilette auf meiner Seite.
Jetzt wurde ich auf der anderen Seite von mein Onkel Arnold wieder instruiert :
„So, steig aufs Klo und schmeiß rüber!“
Das waren deutliche Worte.
Aber für mich trotzdem im Moment noch mit einer gewissen Sinnlosigkeit verbunden.
Oben
Ich blickte nach oben.
Da sah ich, dass zwischen den beiden Herren-Toiletten auf der Inlandseite und der Auslandsseite eine Holzwand war, die ungefähr gut 2 m hoch war. Über dieser Holzwand war aber freier Raum bis zum Dach. Das Dach war in ungefähr 3 m Höhe.
Versuch
Allmählich wurde mir klar was mein Onkel wollte.
Er rief noch einmal: „hochschmeißen und rüber schmeißen…“ – und da war mir endlich alles klar.
Ich nahm Fridolin vorsichtig aus seinem Käfig. Er war inzwischen reichlich matschig geworden. 9 Stunden im Flugzeug unter einer warmen Decke gehüllt bringen auch den coolsten Fridolin ins Schwitzen. Und so war mein guter Freund jetzt richtig schön weich und glitschig geworden.
Auf dem Boden seines Käfigs oder besser gesagt der großen Tragetasche hatten sich große Wasserpfützen gebildet. Aber der spielte jetzt keine Rolle. Die konnte ich ja hier direkt ins Klo schütten.
Olympia
Wir wissen inzwischen, dass bei jeden olympischen Spielen immer eine Reihe neuer Disziplinen eingeführt werden. Andere Sportarten, die nicht mehr so populär waren, wurden dafür gestrichen.
Jetzt hatte Olympia endlich eine neue und wahrscheinlich schnell weltweit anerkannte Disziplin. Und der hieß Fridolin Hoch-Weitwurf
Man muss sich auf die Toilette stellen. Möglichst die Schuhe vorher ausziehen. Dann sieben Kilo weiche Fridolin Masse umfassen. Und das ganze gezielt schräg nach oben schmeißen. Wenn man das nicht ganz akkurat macht, kommt der Fridolin wieder auf der gleichen Seite zurück. Dann muss man einigermaßen geschickt auf dem Klo stehen. Denn nur so kann man ihn nach diesem Fehlversuch auf der Toilette stehend wieder auffangen.
Erfolg
Ich habe nicht nur den Fridolin Hoch-Weitwurf erfunden, sondern ihn auch erfolgreich als erster getestet.
Und diesen Test bestanden.
Nach dem zweiten oder dritten Hoch-Weit-Versuch flog Fridolin so elegant über die Trennwand der beiden Toiletten, wie wir es lebend nicht hätte besser machen können. Und auf der anderen Seite dann meinem Onkel Arnold direkt in die Arme.
Geschafft
Sehen konnte ich dies alles natürlich nicht.
Aber aus den verschiedenen Geräuschen, die vernahm, nach dem Fridolin oben hinter der Trennwand verschwand, konnte ich annehmen, dass mein lieber Fridolin endlich friedlich schlummernd in den Armen meines Patenonkels lag.
Entsorgung
Jetzt blieb mir nur noch übrig den großen Hundekäfig zu entsorgen.
Das war einfach, denn er blieb einfach in der Toilette liegen, sauber zugedeckt unter der großen bunten amerikanischen Decke.
Was die nächsten Männer dachten, als sie nach mir diesen Pinkelraum betraten und neben dem Klo eine überdimensionale leere Hülle fanden, zugedeckt von einer bunten amerikanischen Decke – ich weiß es nicht. Aber das interessierte mich in diesem Moment auch nicht so besonders.
Kontrolle
Lässig mit einer kleinen Aktentasche und einem deutschen Pass, aus dem vorher alle mexikanischen Dokumente entfernt waren, ging ich durch den Zoll. Dann konnte ich endlich meinen Onkel begrüßen.
Verschwunden
Aber Onkel Arnold war verschwunden.
Er muss sofort mit Fridolin auf den kleinen Parkplatz gelaufen sein, um seinen neuen 5-7 Kilo Freund in seinem alten Wartburg Auto zu verstecken.
Tak-Tak-Tak
Da ich nicht wusste, wo der Parkplatz war, blieb mir nichts anderes übrig als zu warten.
Endlich kann mein lieber Paten Onkel ziemlich erschöpft zurück.
Er stand grinsend vor mir und sagte einfach nur Tak-Tak-Tak . Und dabei bekam er leicht feuchte Augen.
Tak ist isländisch und heißt danke.
Verboten
Sehr viel später erfuhr ich dass der Import fast aller Lebensmittel nach Island verboten war. Die Isländer legten schon damals sehr viel Wert darauf, ihre wenigen heimischen Tierarten vor den Gefahren weltweiter Krankheiten zu schützen.
Das betraf vorwiegend Schafe, Pferde, diverse Vögel und natürlich auch Schneehühner. Von Fridolin und seiner mexikanischen Steppenhund-Familie war in diesen Vorschriften aber nichts in den isländischen Zolldokumenten erwähnt.
Als ich irgendwann später Island dann wieder verließ, wurde Fridolin von der gesamten Großfamilie mit Andacht und Würde verspeist.
Seife
Während dieses Island Aufenthalts lernte ich einiges über Land und Leute.
Mein Onkel zeigte mir die berühmten Geysire. Und er brachte sie mit einem einfachen Trick zum sprudeln und explodieren: Man brauchte nur ein größeres Stück Kernseife in die über 100 Grad heißen Löcher in der Landschaft schmeißen.
Und schon sprudelte nach einigen Sekunden eine extrem heiße, riesengroße und sehr übel stinkende Wasserfontäne aus dem Boden. Heute ist das verboten.
Man muss jetzt brav seine 7- 8 Minuten warten, bis so ein Loch dann zu blubbern anfängt und dann mit einem Mal von selber explodiert. Dabei wird ein heißer und fürchterlich nach Schwefel stinkender Wasserstrahl hoch in die Luft geschleudert und die Touristen aus Ostasien klatschen vor Begeisterung.
Irgendwie erinnert sie der dabei auftretende Geruch wohl an ihre häusliche Küche.
Trabbi go
Das Auto meines Onkels war ein alter Wartburg. Das ist die etwas größere Trabbi-Version, die seinerzeit in Ostdeutschland gebaut wurde.
Diese Autos waren unverwüstlich. Alle anderen deutschen und amerikanischen Wagen fingen bei dem enorm feuchten Klima in Island ganz schnell an zu rosten. Der Wartburg war aber überwiegend aus Plastik und rostete nie.
Arnold war seinerzeit stolzer Besitzer des einzigen Wartburgs auf Island. Und da die Trabbi-Fabrik immer wieder nach Reklamemöglichkeiten suchte, um die Unverwüstlichkeit ihres Autos anzupreisen, bekam mein lieber Onkel alle nötigen Ersatzteile aus Ostdeutschland geschickt.
Generalsimporteur
Er wurde vom Zentralkomitee der Trabbi-Werke zum isländischen Generalsimporteur ernannt, der bis dahin die stolze Menge von einem Auto importiert hatte. Und das war sein eigenes.
Knöpfe
Die kaufmännischen Fähigkeiten meines lieben Patenonkels waren vielfältig. Im Keller seines Hauses beherbergte er das größte isländische Knopf-Depot. Isländer haben im Winter nur eine Beschäftigung. Sie stricken kilometerlang Schals, Strümpfe und Handschuhe.
Der islamische Winter ist dunkel und lang. Fernseher gab’s seinerzeit noch nicht. Man konnte also in diesem langen Wintermonaten sich immer wieder alte Geschichten erzählen oder den Frauen zusehen, wie sie nächtelang strickten.
Stricken
Stricken war Nationalsport in Island. Für jede Jacke oder Bluse oder Hose brauchte man aber Knöpfe. Die Menge der benötigten Knöpfe war insgesamt gesehen uninteressant für jeden normalen Importeur.
Netzwerk
Also baute mein guter Onkel Arnold in Deutschland ein Netz auf, indem er die zehn oder zwölf größten deutschen Klopffabriken alle im Laufe der Zeit mal alle besuchte.
Und er kaufte dann auf Kilo-Basis sämtliche aus irgendwelchen Serien übrig gebliebenen Knopf-Mengen auf. Die Fabriken waren froh, dass sie diese überschüssigen Knöpfe nicht noch entsorgen mussten und gaben sie ihm – aufs Stück umgerechnet – für weniger als einen Pfennig zur Verwertung.
Auswahl
In den Winternächten wurde zum Schluss jedes fertig gestrickte Teil mit Knöpfen versehen.
Es war im Grunde genommen völlig egal ob für ein Kleid oder eine Hose vier oder zehn oder zwanzig Knöpfe benötigt würden. Hauptsache sie waren schön bunt und somit ein echter Kontrast zu dieser dunklen Winterproduktion.
Aussuchen
Also gab es am Anfang des Frühlings, wenn der Winter aufhörte, seine dunkle Glocke über Island zu legen, jeden Tag regen Besuch bei meinem Onkel.
Alle Frauen suchten sich die Frauen aus unter den hunderten von kleinen Kartons und Schalen, wo Arnold die Knöpfe etwas nach Größe, Farben und Variationen vorsortiert hatte, das aus, was sie haben wollten.
Jeder Knopf kostete dann zwischen zehn und zwanzig Pfennig. Das waren im Vergleich zum Wert der gestrickten Bekleidung keine großen Beträge. Aber für den Knopfkönig von Island war es jedes Jahr ein goldener Regen.
Das Schweigen der Lämmer
Die Knopffabrik meines Onkels war beeindruckend.
Aber noch viel beeindruckender war, was er sonst noch in Island machte. Mit seinem Super-Trabbi fuhr er Wochen und Monate lang quer durch Island. Und kaufte dabei sämtliche isländischen Lammfelle, die er kriegen konnte.
Er reiste vom Bauernhof zu Bauernhof.
Er feilschte dann tage und nächtelang mit dem jeweiligen Bauern über den Preis der Felle von Lämmern und Schafen, die im kommenden Herbst geschlachtet werden sollten.
Es gibt in Island nur 230.000 Einwohner.
Dafür aber 800.000 Schafe.
Diese Schafe bekommen jedes Jahr einige hunderttausend Lämmer. Der größte Teil davon wird geschlachtet, sonst würden die Grasfelder auf den riesigen Lava Feldern schnell völlig kahl gefressen werden. Ein isländischer Bauer bekommt gutes Geld für Lammfleisch und Lammwolle.
Und dann nur noch ein geringes Entgelt für das Fell der geschlachteten Lämmer und Schafe. So war es vor 50 Jahren und so ist es noch heute.
Bettvorleger
Was machte man aber mit all diesen Fellen?
Die Wolle ist extrem lang, ca. 15-20 cm und sehr grob. Jeder, der schon mal einen Islandpulli oder eine Islandmütze oder Handschuhe angezogen hat weiß, wie sehr diese Wolle kratzt und pickt.
Dass diese grobe Wolle vor großer Kälte sehr gut schützt, ist in Island für Mensch und Tier unbestritten. Aber ansonsten braucht man so etwas nirgendwo auf der Welt, außer vielleicht noch in Grönland und auf Spitzbergen.
Es gibt Schafe – das sind Muttertiere, meist zwischen 1 und 7 Jahren alt. Die Wolle dieser Schafe ist grob, filzt und ist ziemlich wertlos. Dafür ist die Lammwolle – also die Wolle von Lämmern, die ca. 6-8 Monate alt sind und selber noch keine Kinder bekommen haben, ideal.
Diese Wolle ist fein, sehr warm und entsprechend begehrt.
Was macht man in ganz Europa mit solchen großen Mengen an Lammfellen ?
Die Antwort weiß nur der Fachmann. Die Hälfte aller isländischen Lammfelle verschwindet in den Touristengebieten der Lüneburger Heide. Dort wird sie als Original Heidschnucken-Felle oder als Original Schweizer Heidi-Alpen Lammfelle oder unter sonstigen Fantasiebezeichnungen an Touristen aus aller Welt verkauft.
Für die andere Hälfte gab es in den siebziger und achtziger Jahren noch einen anderen Verwendungszweck. Dieser ist heute total verschwunden.
Das deutsche Schlafzimmer
In jedem zweiten der 40 Million deutschen Schlafzimmer gab es zu jener Zeit kleine runde Hocker, die mit einem Island-Lammfell bezogen waren.
Die gute deutsche Hausfrau wollte unbedingt auf solchem Hocker sitzen. Nur so konnte sie ihr Spiegelbild einigermaßen ertragen. Wer schlussendlich hübscher war, die brave deutsche Hausfrau oder das zerzauste kleine Island-Lammfell – das war oftmals nur noch eine Geschmacksfrage.
Trotz erster Versuche einer Aufklärung kaufte der gute Deutsche zum glücklichen Eheleben sehr oft noch einige Bettvorleger.
Wer nach erfolglosen Tantra, Kamasutra oder sonstigen chinesischen Stellungsregeln erschlafft aus dem Bett viel, der fiel dann jedenfalls weich. Unsere meist noch in allen möglichen Bonbonfarben eingefärbten isländischen Lammfelle linderten auf diese Weise seinen Sturz ins Bodenlose.
Zusammenhang
Es gab in Deutschland drei Fabriken, die spezialisiert waren auf die Gerbung und Produktion solcher Lammfellhocker und Lammfelldekoration.
Wir in Hamburg waren die einzigen, die dieses Material aus Island bezogen und fröhlich lächelnd weiterverkauften. Aus diesem Grunde war es für meinen Onkel lebensnotwendig, jedes Jahr die Hälfte der Zeit durch ganz Island zu reisen.
Kräftig zu trinken und zu quatschen und dabei jedem Bauern so viel Lammfälle abzukaufen wie möglich. Soweit der direkte Zusammenhang zwischen dem isländischen Lava-Lammfell und den mit freundlicher, isländischer gezeugten kleinen Germanen.
Tara
Wer dieses Wort heute in einer Quiz-Show den Kandidaten als Rate-Aufgabe gibt, wird außer einem weiblichen Augenaufschlag und männlichen Schulterzucken nicht viel von den Kandidaten zurückbekommen.
In den fünfziger und sechziger Jahren gab es noch keine Multiple Choice Quizaufgaben. Bei Frankenfeld und Kuhlenkamp musste jeder Kandidat seine Antwort selber formulieren. Heute bekommt man vier Optionen vorgelegt. Im Fall von „Tara“ wären das zum Beispiel
ein russischer Mädchenname
der Name eines südamerikanischen Steppenhasen
eine Gewichtsbezeichnung
ein Gebirge im Süden von Polen
Ich bin ziemlich sicher, 90 % aller Kandidaten tippen auf den russischen Mädchennamen. Der Rest wird irgendwas mit Mara oder der hohen Tatra assoziiert. Natürlich ist das alles falsch.
Das Gewicht
Tara ist eine ganz simple Gewichtsbezeichnung. Nur kennt das Wort heute keiner mehr. Wer zur älteren oder sehr alten Garde gehört mag sich noch an seinen Schulunterricht erinnern und wird vielleicht in der Lage sein, den Begriff Tara zu erklären.
Unterschied
Tara ist der Unterschied zwischen einem Bruttogewicht und seinem Nettogewicht. Als Beispiel im Klartext:
Der Kaffeeimporteur in Hamburg kauft in Brasilien 5000 Sack Brasil Hochland Kaffee. Der Kaffee aus Brasilien kommt immer in Säcken. Jeder Sack wiegt genau 40 Kilo
Diese 40 Kilo setzen sich zusammen aus 35 Kilo Kaffee und fünf Kilo Gewicht für den Sack. Also 35 Kilo Netto +5 Kilo Tara gleich 40 Kilo Netto
Soweit alles klar. aber was hat dies mit den isländischen Lammfellen zu tun?
Die christliche Seefahrt
Um vom der Tara zur christlichen Seefahrt zu kommen muss man ziemlich durchgeknallt sein. Jedenfalls dürfte das der Eindruck der allermeisten Leser sein. trotzdem ist ein Abstecher in die christliche Seefahrt vor einigen hundert Jahren in diesem Fall nötig.
Proviant
Hauptproblem der Seefahrer und Entdecker im 15. und 16. Jahrhundert war, dass sie auf ihren Segelschiffen nie genügend Proviant hatten.
Zum Trinken nahm man jede Menge Wasserfässer mit. Außerdem Rum und Wein in den verschiedensten Formen. Zum Essen hatte man aber nur wenige Lebensmittel.
Die fingen irgendwann an zu schimmeln oder zu verfaulen. Das Gemüse fing schnell an zu vergammeln. Das Fleisch verfault und wurde ungenießbar.
Lebendes Fleisch – also lebende Hühner und Schweine – konnte man kaum mitnehmen, das Futter für diese Tiere vergammelte ebenfalls sehr schnell.
Pökeln
Es gab nur ein Mittel: Wenn man Fleisch mitnehmen wollte, musste es vorher konserviert werden. Und das ging nur, indem es gesalzen wurde.
So ein gesalzen Fleisch nennt man gepökelt, also Pökelfleisch.
Die großen Tonnen der Böttcher, so hießen die Tonnenmacher damals, wurden auf dem Boden mit Salz eingestreut. Dann kam ein Lage Fleisch. Dann wieder eine große Lage Salz darüber. Und so wurde das Fleisch in dieser Tonne komplett eingesalzten, also gepökelt.
Selbst Fisch hat man früher auf diese Art und Weise konserviert. Gepökelte Heringe waren die einzige Möglichkeit, die Menschen im Süden des Landes – fernab von jeder Küste – mit Meeresfischen zu versorgen. Solches Pökelfleisch konnte man monatelang in der Salztonne aufbewahren.
Der Nachteil war der Durst. Von dem intensiven Salzgeschmack bekam jeder Durst. Und der Durst konnte auf den Segelschiffen nur mit dem wenigen und kostbaren Süßwasser gelöscht werden.
Gelernt
Wir haben also jetzt gelernt, dass man rohes Fleisch mit ganz viel Salz bestreut sehr lange aufbewahren kann, ohne dass es anfängt zu verfaulen und zu stinken. Und damit können wir uns wieder den isländischen Lammfellen zuwenden.
Das Problem
Bei der Lagerung und dem Transport dieser isländischen Lammfelle war das Problem im Prinzip genauso.
Das Tier wurde geschlachtet, die Haut wurde abgezogen. Das Fleisch der Lämmer und Schafe wurde entweder gepökelt oder geräuchert oder gleich aufgegessen. Das Fell war das eigentliche Problem.
Auf der Seite, wo das Fell die Haare und die Wolle hat, passiert erst mal gar nichts. Aber die andere Seite – dort wo die Unterseite des Lammfells mit dem eigentlichen Körper des Tieres verbunden war, diese Seite war jetzt offen.
Sie war noch etwas blutig von der Schlachtung. Und fing schnell an zu verfaulen.
Die Lösung
Die Lösung war einfach: Jedes Fell musste sofort nach dem Schlachten eingesalzten werden.
Konserviert.
Mit diesem einfachen Verfahren wurden in Island seit Jahrhunderten auf jedem Bauernhof die Lammfelle konserviert. Das Tier wurde geschlachtet, das Fell wurde abgezogen. Das Fell wurde auf den Boden gelegt und die Fleischseite wurde komplett und dick mit Salz eingestreut. Dann wurde das Fell wieder zusammengelegt.
Es war jetzt ein Bündel, in dessen Mitte mehrere Kilo Salz auf der Haut lagerten.
Das Bündel
So ein Bündel wurde mit einer dicken Kordel verschnürt. Jedes Bündel erhielt zusätzlich ein kleines Holzstückchen mit einer Nummer. Anhand dieser Nummer wusste jeder, von welchem Bauernhof dieses Bündel kam.
Und ab ging es in den Hafen nach Reykjavik. Dort häuften sich während der Zeit der Schlachtungen Tausende und Abertausende solcher Bündel an.
Dann kam der Dampfer und alle Bündel wurde auf Netze geschmissen, ein Kran hob diese gewaltigen Netze hoch, drehte sich zum Schiff hin und wenn er genau über einer Ladeluke war, löste er eine Seite des Netzes und tausende von dicken salzigen Wollbündeln fielen in die gewaltigen Frachträume des Dampfers.
Die Bündel stanken nach einiger Zeit wie die Pest, aber das war Kapitän und Mannschaft gewohnt. Soviel über die Technik des Konservieren.
Fläche
Je größer ein Tier ist, desto größer ist seine Haut.
Je größer seine Haut ist, desto wertvoller ist sie für den Gerber. Er kann aus einer großen Rinderhaut wesentlich mehr Leder für Schuhe und sonstige Lederbekleidung produzieren als aus einer kleinen Haut. Wie bei jeder Ware möchte der Käufer viel Ware für wenig Geld haben.
Er möchte also hier am Beispiel der islamischen Lammfelle so viele große Felle haben wie möglich. Und dafür so wenig wie möglich bezahlen.
Einig
Käufer und Verkäufer wurden sich irgendwann darüber einig, dass man ein Weg finden musste, dass beide Seiten einen gerechten Preis für die richtige Ware bekommen.
Klartext
Das bedeutete: Je größer ein Fell ist, desto schwerer ist es und desto höher darf sein Preis sein. Also einigte man sich auf das Gewicht als gemeinsame Preisbasis.
So wurde seit Jahrhunderten die isländischen Lammfelle Gewicht gehandelt. Genauso wie die argentinischen Rinderhäute oder die australischen Känguru-Felle oder was auch immer in der Welt für eine Lederproduktion geeignet ist.
Das Gewicht
Ein ordentliches rohes Island Lammfell hatte in dem Moment, wo es geschlachtet wurde, ein Gewicht von ca. 10-15 Kilo, je nach Größe.
Dann kam aber noch mindestens 5-6 Kilo Salz hinzu. Das Bündel, was danach im Hafen von Reykjavik lag, wog also meistens um die 20 Kilo
Der Kapitän eines Fachschiffs beförderte also viel Fell und sehr viel Salz von Island nach Deutschland. Auch hier wurde die Fracht per Kilo abgerechnet. Dem Kapitän und dem Schiffseigner ist es egal, was er da transportiert. Er berechnete den Transport von A nach B immer nach Gewicht.
Vertrauen
Der Kunde in Hamburg wollte aus verständlichen Gründen nur das Fell bezahlen. Und auf keinen Fall das Salz.
Sonst wäre es das wohl teuerste Salz der Geschichte geworden. Und damit kam die Tara wieder ins Spiel. Man einigte sich zwischen Käufer und Verkäufer, dass das endgültige Gewicht und somit der endgültige Preis erst festgestellt wurde, nachdem die Ware in Hamburg im Hafen angekommen war.
Der Hamburger Kaufmann hatte nicht viel Vertrauen in die Isele Nischen Gewichtslisten.
Und der isländische Exporteur ebenso wenig in irgendwelche Gewichtsaufstellung, die sein Geschäftspartner im Hamburg im Hafen oder in einem Lagerhaus anfertigte.
Quartiersleute
Es gab im Hamburger Hafen einen Beruf, den es nur hier im Hafen und sonst nirgendwo in Deutschland gab.
Es handelte sich um Quartiersleute, das war der offizielle Begriff. Sie waren spezialisiert, jede Ware aus allen Kontinenten dieser Welt genau zu prüfen, Kaffee aus Südamerika, Tee aus Asien. Wolle aus Australien und Kautschuk aus Indonesien.
Für alles gab es Regeln. Die Quartiersleute hatten als Einzige das volle Vertrauen sowohl der ausländischen Exporteure als auch der deutschen Importeure.
Suchen
Zurück zu unseren stinkenden Lammfellen.
Es musste jetzt ein Weg gefunden werden, immer das wirkliche Gewicht einer Partie von sagen wir als Beispiel 30.000 isländischer Lammfellen so genau wie möglich festzulegen.
Proben
Man nahm 3 % der Menge der Gesamtpartie als verbindliche Mustermenge. Also bei 30.000 Stück wurden 3 % und somit 900 Felle aussortiert und in eine Ecke des Lagerhauses geschmissen.
Dann wurde ein ganz großer Tisch aufgestellt. Und vier große und kräftige Quartiersmänner fingen an zu arbeiten. Alle mit dicken Gummischürzen vor dem meist gewaltigen Bäuchen. Dazu ausgestattet mit langärmeligen Gummihandschuhen und großen Gummihüten, so genannten Süd-Western.
Diese Spezial-Kopfbedeckung bot Schutz vor Regen, Sturm, Salz und Schnee von der Stirn über die Ohren bis hinein in den Nacken.
Salzschlacht
So waren dann alle vorbereitet für eine fürchterliche Salzschlacht. Meistens wurde diese Salzschlacht Ende November oder Anfang Dezember durchgeführt, zu diesem Zeitpunkt war es im Hamburger Hafen extrem kalt und windig.
Tally man
Unsere vier Männer mussten jetzt tarieren, wie das Fachwort dafür heißt. Und dies Wort stammt natürlich von unserem Quiz-Wort „Tara“.
Es sollte jetzt endgültig das reale Gewicht dieser Sendung festgestellt werden, aufgeteilt in Brutto, Tara und Netto. Oder plastischer gesagt – ein Bündel musste korrekt zerlegt werden in Fell und Salz.
Die Arbeit
Der erste dieser vier Männer griff sich eins von den neunhundert Bündeln und Schnitt mit einem dicken Messer die Kordeln auf, durch die das Bündel zusammengehalten wurde.
Dabei lief schon eine Menge Salz aus dem jetzt offenen Fell heraus. Dann schmiss er das Fell auf den großen Tisch.
Hammelbeine
Jetzt wurde dem armen Fell die Hammelbeine lang gezogen. An beiden Seiten des Tisches standen die beiden größten und stärksten Männer der Quartiersfirma.
Jeder dieser beiden bärenstarken Männer ergriff sich zwei Beine des Lammfels. Der eine die Vorderbeine der anderen Hinterbeine.
Dreimal klatschen
Und jetzt durften sie dreimal klatschen.
Das bedeutet, die durften dreimal das Fell in die Luft anheben um es dann jeweils mit voller Kraft auf den Tisch zu hauen. Dabei flog jedes Mal eine gewaltige Menge Salz aus dem Fell raus.
Und jedes Mal wurde das Fell leichter.
Nach dreimal klatschen mussten sie aufhören
Der vierte Mann
Und jetzt kam der vierte Mann ins Spiel
Er war der Vize, so nannte man den Leiter jeder Gang.
Gang wiederum war der Name einer Gruppe von vier Quartiersleuten, die traditionell zusammen irgendwelche Arbeiten durchführten. Der Vize, das war derjenige der am längsten dabei war und der alle Regel, Kniffe und Tricks kannte, die es zu jener Zeit im Hamburger Hafen gab.
Der Vize
Der Vize zählte laut mit, wenn seine drei Kollegen beim Knallen der Felle auf den Tisch ihre Arbeit machten.
Nachdem er laut „Een – Twee – Dree„ gerufen hatte – denn im Hafen wurde nur Plattdeutsch gezählt – ging er zum Tisch, nahm das kleine Bündel, was jetzt da einsam, zerschlagen und ziemlich salzlos auf dem Tisch lag.
Er sah es sich genau an, nickte dam der vierten Mann zu, und der wiederum nahm es in die Hand und schmiss es genau und in hohem Bogen auf die Plattform einer große Waage, die neben ihm stand. Da wurde dann das Gewicht abgelesen und notiert.
Also zum Beispiel 10,3 oder 14,6 Kilo oder was auch immer sich als neues Nettogewicht herausgestellt hatte. Der Vize notierte das Gewicht auf einer langen Liste und weiter ging mit dem nächsten Bündel.
Mister Tallyman
Dies bekannte Lied beschreibt im Grunde genommen nichts weiter als die Kontroll -Arbeit eines Vizes in einem Hafen.
Nur dass es hier meist nicht um dreckige und stinkige isländische Lammfelle handelte, um unreife exotische Bananenstauden aus Mittel- und Südamerika, sondern um irgendwelche anderen exotischen Importe, die im Laufe des Jahres im Hafen landeten und die alle von den Quatiersleuten, der Gang und dem Vize genau kontrolliert wurden..
Der Vize war also gleichzeitig auch der Tally Man. Er konnte korrekt zählen ohne dabei nachzudenken – dass muss man erstmal können. Die Gewichtslisten oder Kontrolllisten eines Vize und Tallymans waren eines der anerkanntest Dokumente im internationalen Handel.
Es gibt in Hamburg nur noch eine Handvoll Quartiersleute.
Sie verdienen jeden Respekt.
Geschafft
Die 4 Quartiersleute der Gang schmissen am Schluss die riesigen Mengen an Salz, die bei einer solchen Tarierung anfielen, mit großen Schneeschiebern durch die Luken der Lagerhäuser in die Fleete der Elbe, die draußen vor den Lagerhäusern vorbei flossen.
Salz macht sauber.
Das Wasser vor diesen Lagerhäuser waren nach Ende der isländischen Lammfellsaison wesentlich sauberer als vorher.
Zeuge
Eine solche Prozedur einer Tarierung habe ich selbst viele Jahre in Hamburg miterlebt. Ich war nie kräftig genug um selber zu schlagen.
Aber ich weiß, was es bedeutet, diese Mengen an stinkigen, dreckigen, schweren und salzigen Bündel zu entsalzen
Mein lieber Onkel Arnold blieb sein Leben lang ein korrekter Mittelsmann zwischen den Bauern auf dem kargen und eisigen Island-Höfen und den Kunden in Deutschland und anderen Ländern.
Sonstiges
Es gab noch einige andere Produkte aus Island die ich im Laufe der Jahre ebenfalls einigermaßen erfolgreich in Island kaufte und n der Welt verkaufte. Zum Beispiel isländische Eiderdaunen.
Eins der wenigen Produkte, die so teuer waren, dass es sich wirklich nur wenige Menschen leisten konnten, unter einer paradiesisch leichten Eiderdaunen-Decke einzuschlafen. .
Aber darüber gibt es keine großen Geschichten. Einige Jahre später ging ich nach China um dort die nächsten 25 Jahre meines Lebens zu verbringen.
Abschluss
Wer heute Reykjavík besucht, wird in aller Regel eine der kurioseren Touristenattraktion in der Haupteinkaufsstraße besuchen. Es handelt sich um das weltweit einzige Penis-Museum.
Das schönste Stück
Mein lieber Onkel Arnold hatte fast alles geschafft in seinem Leben. Außer, dass er irgendwelchen Chinesen mit riesig großen Wal-Penissen beglücken konnte.
Island ist neben Norwegen und Japan heute noch das einzige Land, wo aktiv Walfang betrieben wird.
Wenn auch nur für kleine und kleinste Wale. Auf diese Art und Weise bekam das Penismuseum in Reykjavík jedes Jahr eine erstaunliche Auswahl von Penissen dieser Riesentiere. Arnold hatte immer versucht, diese als Liebes-Spielzeuge in Asien zu verkaufen.
Ich wurde die ersten zehn Jahre während meines Aufenthalts in China immer wieder von Briefen und Überlegungen aus Island kontaktiert. Es war für meinen Onkel unverständlich, dass die Chinesen und andere Asiaten alle möglichen Hörner und sonstige tierische Gegenstände als Potenzmittel begehrten.
Aber keine Riesen-Penisse.
Trotz aller intensiven Bemühungen hat kein isländischer Walpenis jemals chinesischen Boden auf legalem Wege erreicht. Wahrscheinlich hätte ich sie schmuggeln sollen, darin war ich erfolgreicher.
Erreicht
Auch wenn man im Leben nicht alles erreicht – zumindest habe ich hier jetzt etwas erreicht.
Das Ende dieses Berichts.
Nachsatz
Arnold und Maja sind lange tot.
Hilde, die jüngere Schwester der so jung durch den Flugzeugabsturz verunglückten Helga, heiratete in Island und hatte mit ihrem isländischen Ehemann zwei Kinder. Sie wurde Lehrerin und starb sehr früh an Krebs.
Mit einem ihrer Söhne, er heißt Hjalti, hatte ich immer losen Kontakt gehalten.
Vor einigen Jahren reisten wir dann nach vielen Jahrzehnten zum ersten Mal wieder nach Island.
Unsere Enkelin Nanda war damals zehn Jahre alt und begeisterte Reiterin. Ein Reiterurlaub mit Oma und Opa auf Island war für sie das absoluter Ferien-Highlight.
Wie sehr Nanda das verwunschene Island gefallen hat, kann man aus ihrer spontanen Antwort ersehen.
Auf die Frage, ob sie im nächsten Jahr wieder zu uns in die Dom Rep oder nach Island reisen wolle – da war ihre Antwort kurz und klar :
Nach Island, zu den Pferden.
Und so sind wir jetzt noch einmal auf Island.
Nanda reitet auf einem entlegenen Bauernhof.
Nelly studiert ihre Bibel und ihr Facebook.
Und ich habe Zeit, mich mit dem zu beschäftigen, was ich gerne tue :
Ein bisschen erzählen.