Asterix in der Karibik

die wohl berühmtesten Franzosen aller Zeiten waren in ihrem Leben überall. Von Ägypten über Britannien, von Rom bis zum anderen Ende der Welt – nur in der Karibik waren sie nicht. Dabei hätten sie sich sicher sauwohl gefühlt, wenn sie dieses kleine Kondominium kennengelernt hätten.

In ihrer französischen Heimat lebten sie bekanntlich am äußersten Rande der Bretagne in einem ganz kleinen Ort, umgeben von hunderttausenden römischer Legionäre, die gerade mal wieder Frankreich besetzt hatten.

Hier bei uns ist es im Grunde genommen genauso.
In unserem kleinen Kondominium leben eine kleine handvoll Menschen aus allen Teilen der Welt – und um sie herum sind permanent 25.000 – 30.000 Touristen, die wie Legionäre diesen Teil der schönen dominikanischen Republik fest in ihrer Hand haben.

In Punta Cana gibt es an einem ca. 20 km langen herrlichen Sandstrand derzeit 33 große Hotels. Jedes Hotel mit 1000-1200 Betten. Und jedes Hotel mit einer Auslastung von ca. 70-80 % im Schnitt eines Jahres.

Hinzu kommt noch einmal die gleiche Anzahl von Menschen, die für die Touristen da sind. Von Zimmermädchen über Kellner, von Gärtner bis zur Security, von Küchenhilfen bis zum Handwerker. Nach Punta Cana kommen jeden Tag 25.000 Dominikaner, die für 25.000 Touristen da sind.

Keiner dieser Dominikaner, die für den Tourismus lebensnotwendig sind, kann sich eine Wohnung oder auch ein Zimmer in Punta Cana leisten. Sie werden jeden Tag und jede Nacht mit hunderten von alten Bussen aus der näheren und weiteren Entfernung zur Arbeit in die Hotels gebracht.

Und zwischen all diesen Menschenmengen gibt es genau 80 Meter Strand – der total leer ist.

An dem nur vier kleine Häuschen am Strand und dahinter noch einmal 4 kleine weitere Häuschen zu sehen sind.
Und an dem sich an diesem Strandstück vielleicht gelegentlich drei oder vier Menschen unter einer Palme auf einem Liegestuhl das Meer anschauen.

Bei Asterix wurde im Dorf nach jedem Abenteuer ein schönes Fest gefeiert.

Bei uns geht’s etwas stiller zu.
Jeden Abend, wenn die Touristen alle wieder in ihren Hotel-Burgen sind, können wir von der Terrasse aus auf die Karibik schauen – so wie sie vor hunderten von Jahren war und wie sie hoffentlich noch sehr lange sein wird.

Der „Wo bin ich?“ Tourist

Unser kleines Kondominium wurde vor 17 Jahren gebaut. Solange wohnen wir jetzt schon hier, jedes Jahr ungefähr sechs Monate. Die andere Zeit braucht man zum Erholen, denn nach einer gewissen Zeit wird auch das Paradies schlicht langweilig. Was aber machen die Touristen hier, die nur eine Woche oder zwei Wochen oder maximal drei Wochen Karibik gebucht haben?

Die Antwort können wir runterbeten wie der Papst seinen Rosenkranz.
Sie kommen an,

Sie bleiben die ersten zwei Tage im Hotel.
Am dritten Tag fangen sie an den Strand etwas zu erkunden.
Und am 4. – 6. Tag entwickeln sie sich zum klassischen karibischen Strandläufer.

Sie gehen morgens gegen 10:00 Uhr los zu einem kleinen Spaziergang nach dem Frühstück.
Der Sinn dieses Spaziergangs ist nicht, sich das Meer oder die Palmen oder die anderen Hotels vom Strand aus anzusehen.

Sondern sich die Zeit totzuschlagen bis zum Mittagessen.

Dabei ist es völlig unerheblich, ob sie von ihrem Hotel aus gesehen nach links oder nach rechts den Strand anfangen zu erkunden.

Er sieht überall gleich aus.

Nach 1 Stunde haben sie vielleicht zehnmal das gleiche gesehen: wunderschöner Strand und wunderschönes Meer.

Und an diesem wunderschönen Strand ganz viele andere Touristen in anderen Hotels auf anderen Liegestühlen.

Jetzt sind sie gut eine Stunde lang in eine Richtung gelaufen und haben total die Orientierung verloren, wo ihr eigenes Hotel eigentlich war.

Das ist nicht verwunderlich, denn der einzige Unterschied am Strand ist die Farbe der Liegestühlen. Das eine Hotel hat grüne Liegestühle, dass andere weiße, das nächste rote und wiederum das nächste blaue. Ansonsten sieht alles total gleich aus.

Wenn diese Touristen dann schon leicht verstört feststellen, dass sie überhaupt nicht mehr wissen, wohin sie eigentlich zurück müssen – dann kommen wir ins Spiel.

Die absolute Monotonie der Strandgestaltung wird nur einmal unterbrochen durch 80 Meter Strand, auf dem es keine Liegestühle gibt

Auf dem keine Touristen sind.

Wo absolut gar nichts ist – außer richtig leerem Strand und dahinter vier kleine ockerbraune Häuschen.

Das ist so ungewöhnlich, dass die Touristen jetzt aus purer Not heraus sich ein Herz nehmen und zu uns kommen – mit der immer gleichen Frage in irgendeiner Sprache:

„Wo bin ich“?

Natürlich ist den Hotels diese Situation auch bekannt.
Und jedes Hotel hat deshalb farbige Armbänder für ihre eigenen Hotelgäste – und zwar immer in unterschiedlichen Farben.

Damit soll aus der Sicht der Hotel verhindert werden, dass sich irgendwelche Menschen einfach so in die hoteleigenen „All-Inclusive“ Restaurants setzen und sich den Bauch voll schlagen. Aber das passiert sowieso nicht, denn ohne Armband = Ausweis kommt niemand in ein Hotel hinein.

Diese farbigen Armbänder erfüllen jetzt endlich ihren eigentlichen Zweck: Wir sagen dem verlorenen Touristen einfach nur “heben sie bitte mal die Hand und zeigen Sie, welche Farbe ihr Armband hat“.

Die Touristen wissen im ersten Moment überhaupt nicht, was das soll.

Aber da ich selber viele Sprachen spreche und einigermaßen überzeugend auftreten kann heben sie also ihren Arm und ich sehe dann anhand der Farbe zu welchem Hotel sie zurück müssen.

Die Antwort ist dann immer die gleiche:

Zum Beispiel “… nach links, dann an dem Hotel mit den grünen Liegestühlen vorbei, an den Hotel mit den roten Liegestühlen vorbei – und dann kommt das Hotel mit den blauen Liegestühlen, und da wohnen Sie ….“

Diesen Satz kann ich inzwischen ich in zehn verschiedenen Sprachen.

Die Fragen aller Fragen

in der zweiten Woche hat der Tourist dann seine Entdeckungsphase. Der erste Wunsch ist die berühmte „Land-und-Leute-kennen-lernen“ Frage. Er möchte gern – am liebsten aus der Sicht des Zoobesuchers, der durch den Tierpark schlendert und aus sicherer Entfernung sich das Exotische ansieht – aus so einer Position möchte er jetzt Land und Leute kennen lernen.

Er hat kein Auto, er hat keine Ahnung über den Verkehr hier im Land und er hat vor allen Dingen keine Ahnung, dass es außer Strandpalmen und Meer hier im ganzen Umkreis überhaupt nichts zu sehen gibt…

Verdorrtes Gras, Salzwiesen, klapprige Kühe und noch klapprigere Pferde.
Recht gute Straßen mit sehr freundlichen Menschen, die alle direkt am Straßenrand leben – all das wird er nicht erleben, denn die Hotels sind eisern darauf bedacht, keinen Touristen auf eigene Faust losziehen zu lassen.

Das hat schon seinen Sinn, aber darüber an anderer Stelle mehr.

Also macht sich der Tourist jetzt auf, zusammen mit seiner Frau die nähere Gegend genauer kennen zu lernen.

Die Strandwege kennt er inzwischen etwas, und insgesamt hat ihm die erste Woche hier im kleinen Paradies gut gefallen.

Egal ob er aus Texas oder Rio oder Lappland kommt, er findet alles schön.

Also sucht er jetzt eine Möglichkeit zu prüfen, ob sich so etwas nicht auch in irgendeiner Form in seinem Leben wiederholen könnte.

Im Klartext – er fängt an sich mit der Idee zu beschäftigen, hier in der Dom Rep in irgendeiner Form etwas zu finden, wohin er später mal wieder kommen könnte.

Und damit beginnt für uns in unserem kleinen Kondominium der Spießrutenlauf.

Nur sind wir es selber, und dabei überwiegend meine Familie, die hierbei die Leidtragenden sind.

Die Touristen können nicht einfach in irgendein Hotel am Strand reingehen und fragen: Was kostet hier eine Wohnung oder ein Haus oder wie kann ich nächstes Mal günstiger und länger hier bleiben.

Keiner wird Ihnen auch nur zuhören wollen.

Sie gehen also los – und dann kommen sie an die Stelle des Strandes wo unser kleines Condominio steht.

Und jetzt, es ist entweder vormittags gegen elf oder nachmittags gegen fünf Uhr, kommen sie dann langsam und unsicher vom Strand her auf unser Condominio zu.

Die meisten überspielen diese Unsicherheit durch extrem forsches Auftreten und ich könnte separat ein kleines Buch schreiben über die fünf verschiedenen Typen, die wir im Laufe der Jahre kennengelernt haben.

In der Kategorie „Wie stelle ich am schnellsten die dümmsten Fragen?“ gibt es nur Gewinner.

Unser Kondominium wird Tag und Nacht durch unsere eigenen Wachleute geschützt. Diese dominkanischen Wachleute haben an sich die Aufgabe, die Bewohner, die gerade im Kondominium leben, vor ungebetenen Besuchern zu bewahren. Aber die Touristen gehen als erstes auf die Wachleute zu und fragen in irgendeiner Sprache was das ist und was das kostet und ob man das mieten oder kaufen kann. Egal welche Sprache sie sprechen – unsere Wachleute werden sie nicht verstehen.

Routiniert begleiten sie dann die Touristen zu unserer Wohnung.

Und wenn sie dann mit den ausländischen Besuchern vor unserer Terrasse stehen, murmeln sie leicht grinsend eine Zahl auf spanisch – das ist dann eben der zweite oder dritte oder vierte Besucher, den sie an diesem Morgen zu uns gebracht haben.

Das Gespräch, was sich dann entspannt, ist unerheblich. Erstaunlich ist nur wie viele Menschen aus wie vielen Kontinenten in den unterschiedlichsten Lebensjahren in der Lage sind, genau die gleichen Fragen zu stellen.

Kann man das mieten?

Wie groß in die Wohnung?

Kann man das kaufen?

Besteht das Haus aus einer großen Wohnung ?

Zu welchem Hotel gehört das hier alles?

Sind die Preise Dollar oder Euro oder Pesos ?

Kann man Hunde oder Kinder mitbringen oder umgekehrt ?

Kann ich mal auf Ihre Toilette gehen?

Und anschließend würde ich gerne mal die Wohnung besichtigen.

Immer die gleichen Fragen –

Mein Respekt vor Filmschauspielern ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Ich habe gehört und gelesen, dass für bestimmte Filmaufnahmen einzelne Szenen bis zu dreißig oder sogar fünfzigmal gedreht werden, bis in dieser einzelnen Szene alles stimmt. Und der Schauspieler muss in jeder Wiederholung sich so benehmen als ob alles zum ersten Mal passiert.

So ist es hier auch bei uns.
Und meine drei privaten Oscars, die ich von einigen guten Freunden und mitfühlenden Familienmitgliedern in den vergangenen Jahren aus Mitgefühl und Anerkennung für extreme Selbstbeherrschung bekommen habe – diese drei Oscars habe ich mir redlich verdient.

Die Standard-Antworten auf alle Standard-Fragen gebe ich dann im Laufe des Vormittags oder nachmittags allen, die mit großen fragenden Kinderaugen vor mir stehen und bereits ziemlich fest überzeugt sind, endlich den Schlüssel zum kleinen Paradies gefunden zu haben.

Ich habe als sorgfältiger und gut organisierter Deutscher inzwischen alle diesbezüglichen Antworten in vier oder fünf Kategorien im Kopf abgespeichert, auf die Einzelheiten möchte ich hier nicht direkt eingehen.
Auch Ihre Fragen werde ich, wenn´s geht, höflich und leicht sachkundig beantworten.

Ein Traum wird wahr

Mein Traum wäre es, jetzt einfach eine kleine Visitenkarte aus meinem Büro hier in unserer Wohnung zu holen und freundlich lächelnd Sie zu bitten, sich auf der dort angegebenen Internetseite über alles zu informieren.

Dieser Traum soll jetzt endlich wahr werden.

Was Sie bisher gelesen haben wird entscheidend dazu beitragen, unser Familien-Leben wieder in lang verschollene normale Bahnen zu lenken.

Mit dieser Homepage.