Palmen – Porno – Superstorno

Nichts passiert geplant. Statt im Reihenhaus im Vorort von Hamburg finden sich Nelly und Thewes Henckell plötzlich am Strand der Dominikanischen Republik wieder.

Wie es dazu kam, das war wie Schwangerschaft – ein bisschen geplant, viel Überraschung und zum Schluss trägt die Frau das Kind und der Mann die Verantwortung.

Heute, nach einigen Jahrzehnten Karibik, würde man sicher fast alles ganz anders machen, viel besser planen und kontrollieren und alles mit viel weniger Kopf- und Bauchschmerzen.

Aber viele Dinge sind nicht mehr zu ändern – eben auch wie die Langzeitfolgen einer ganz normalen Schwangerschaft.

Der Weg ist das Ziel 

Einmal um die Welt fliegen ist herrlich.

Hundert mal um die Welt fliegen ist grässlich.

200–300 mal um den Globus fliegen  – ohne Pilotenschein – ist nur noch peinlich.

In den ersten zehn Jahren meiner etwas ungewöhnlichen beruflichen Tätigkeit wurde ich von meiner Firma in Südamerika stationiert.

Alle paar  Monate – und manchmal auch im Wochentakt – von Deutschland in die Pampa zu fliegen oder  in den Jahren 1965  bis 1975 von der Pampa in den Amazonas zu gelangen – das war auch in jungen Jahren Stress pur.

Irgendwann hatte ich genug Schafe in der Pampa gezählt oder den Indios am oberen Amazonas ihre Pelze, Wildschwein-Felle und Riesenschlangen abgekauft – nach über 100 Reisen zwischen Europa und Südamerika war Gott sei Dank irgendwann Schluss.

Nicht ganz.

Ich glaubte – nachdem ich 10 Jahre Südamerika zwischen Feuerland und Panama hinter mir hatte – jetzt die Welt verändern zu können, indem ich 1977 direkt nach Ende der Kultur-Revolution in China auftauchte. Da blieb ich dann 25 Jahre hängen.

Alle paar Monate zwischen Hamburg, Central-China, Mandschurei und Mongolei hin und her zu fliegen – dagegen waren die Jahre in Südamerika der reinste Urlaub.

Die Familie kannte mich nur noch als eine ziemlich missratene Mischung zwischen dem Geschenke-Onkel und dem Vetter aus Dingsda.

Es gab nur zwei Menschen, die sich über solche permanenten Ortsveränderungen freuten:

Der Bankdirektor – denn was ich machte war sehr lukrativ.

Und das Reisebüro, in dem man mich schon nach kurzer Zeit in die Gruppe ihrer allein reisenden Top-Kunden eingegliedert hatte.

Buddenbrook weint

Als typischer Hamburger Pfeffersack schluchzte mein Vater jedes Mal, wenn ihm die ewigen Rechnungen des Reisebüros zum Abzeichnen vorgelegt wurden.

Sein Hang zur Sparsamkeit war umgekehrt proportional zu seiner Lebensfreude.

Im Klartext: Bei jeder neuen Reise-Rechnung fing er an zu schlucken und sah das Ende unserer Buddenbrook ähnlichen Hamburger Familienfirma mit großen Schritten immer näher kommen.

Es gab zu dieser Zeit kein Internet, keine Reiseplattformen oder ähnliches – es gab nur gute Reisebüros oder günstige Reisebüros.

Ich hatte aber das Glück, ein Reisebüro zu finden was beides in sich vereinte.

Am Hamburger Flughafen im ersten Stock gab es ein kleines Verkaufsbüro von L´Tur.

Das war damals schon einer der größten Anbieter für günstige Reisen, meistens für Pauschal-Urlauber.

In diesem Büro saß morgens, mittags, abends und die liebe halbe Nacht die gute Mariam Komeyli.

Sie wurde später Chefin des berühmtesten Hamburger Reisebüros – auf dem Kitz verkauft sie seit Jahren ihre Reisen immer nur nachts.

Sie war und ist nicht nur eine wunderbare Frau, sondern auch der Mensch, der unbewusst meine persönliche Zukunft ganz wesentlich mitgestaltet hat.

Geschäftlich war sie prima – ich kannte zwar schon diverse kleinere und größere Tricks, wie man beim permanenten Reisen sich die Zeit  etwas angenehmer gestalten konnte, aber sie war der Profi.

Der Rest ist Schweigen

Nach der 30. oder 40. Buchung einmal rund um die Welt wurde ich zum Gruppenleiter befördert.

Es gab die Möglichkeit, wenn man eine größere Gruppe von zwanzig oder mehr Menschen zusammen buchte, dass diese Gruppe dann entsprechende Rabatte bekam.

Kurz vor Reiseantritt verstarb dann die Hälfte der Gruppenmitglieder und die andere Hälfte fiel regelmäßig durch Unpässlichkeiten wie Scheidung, Kinderkriegen oder Familien-Begräbnis ebenfalls als Mitglied dieser Gruppe aus.

Zum Schluss waren also regelmäßig von der ursprünglichen Gruppe von 20 oder 30 Mitgliedern nur der Gruppenleiter übrig. Und so flog ich in dieser angenehmen Position entsprechend günstig und etwas komfortabler um die Welt.

Ob es solche Super-Stornos heute noch gibt weiß ich nicht – sie waren aber vor einigen Jahrzehnten eine angenehme Hilfe beim ansonsten langweiligen Um-die-Welt-Reisen.

Alle Reiseagenturen bekommen permanent Angebote von Reiseveranstaltern und Hotelgruppen – sie reisen dann dorthin, wo man sie haben möchte und sie werden entsprechend angenehm und aufmerksam bedient.

Als Gegenleistung erwartet man dann von ihnen, dass sie ihre unentschlossenen Klienten mit diesem neuen Touristenziel vertraut machen und kräftig buchen.

Privates

Es war Mitte oder Ende 1989, als Mariam mir bei der Buchung einer weiteren Chinareise sagte, dass sie etwas Privates mit mir besprechen wolle.

Miriam wusste inzwischen, dass ich mit einer wunderschönen Chilenin verheiratet war, deren Hauptaufgabe offensichtlich darin bestand, ihren Ehemann regelmäßig zum Flughafen zu bringen und dort wieder abzuholen. Und das dies meist auf spanisch ablief.

Was sie mir sagte war zusammengefasst ungefähr folgendes:

Das internationale All-inclusive Touristengeschäft fing Anfang der achtziger Jahre im östlichen Mittelmeer an zu florieren. Hauptländer waren am Anfang die Türkei, dann die angrenzende Mittelmeer-Destinationen.

Es war von Anfang an ein Erfolg.

Und der Erfolg macht gierig.

Die großen europäischen Touristen-Hotelketten in Spanien und Italien haben deshalb – so sagte sie mir – jetzt einen ersten Versuch gestartet, dieses Konzept der All Inclusive Reise auch in der Karibik anzubieten.

Die Karibik war bis dahin extrem teuer, und im Grunde genommen nur ein Urlaubsgebiet für reiche Amerikaner, Kanadier und einige europäische Playboys.

Man hatte bewusst die Dom Rep zu einem Versuch ausgewählt.

Sie ist neben Kuba die einzige Insel in der Karibik, auf der spanisch gesprochen wird.

Der normale nordamerikanische oder europäische Karibik-Besucher erwartete, dass er überall während seines Karibik-Urlaubs auf englisch kommunizieren kann – aber das ging in der Dom Rep nicht.

Dafür und auch deswegen war das gesamte Preis- und Lohnniveau in der Dom Rep im Vergleich zu allen anderen Inseln  der Karibik  äußerst günstig.

Überzeugt

Um es kurz zu machen:

Mirjam war gerade von so einer ersten Promotion-Tour Dom-Rep-All-Inclusive zurückgegehrt und sagte kurz und bündig, das sei genau das, was wir seit Jahren vergessen hatten zu suchen und zu finden.

Sie hatte mich in 20 Sekunden überzeugt und ich brauchte nur noch ein Grund, eine solche Reise meiner Frau zu schenken, ohne dass sie sofort fragte, welche Missetaten ich damit aus der Welt schaffen wolle.

Aber das gehört jetzt nicht weiter hierher.

Einen Monat später machten dann also meine Chefin Nelly und ich unsere erste Reise in die Dom Rep.

Dies war der Anfang eines gesamten neuen Lebensabschnitts und deswegen nur ein Wort:

Danke, Mariam.

Der Anfang vom Ende

In der Dom Rep gab es dieser Zeit nur anderthalb Flughäfen: einen großen für die Hauptstadt Santo Domingo und einen kleinen im Norden an der Küste, in Puerto Plata.

Dieser Flughafen Puerto Plata sollte also jetzt der Anfangs- und Endpunkt einer neuen Tourismus-Epoche in der Karibik werden.

Der Ort selber hatte ca. 80.000 Einwohner und ist echt karibisches Easy Going.

Die Grenze zum französisch sprechenden Haiti war nur knapp 100 km entfernt.

Puerto Plata liegt direkt am Meer. Es gibt einen wunderschönen breiten Sandstrand und ansonsten nur Palmen, Rum und karibisches Ambiente.

Man hatte extra für dieses neue Dom-Rep-All-Inclusive-Angebot in der Nähe von Puerto Plata zwei größere Hotelkomplexe neu angelegt.

Alles bewusst im schönen, aber spartanisch einfachen, dominikanischen Stil.

Ich hatte vorher ein oder zweimal mit meiner Frau einen typischen All-Inclusive-Urlaub in der Türkei verbracht und war insofern schon etwas vorgewarnt

Hilfe zur Selbsthilfe

Aber was ich hier am ersten Tag erlebte war doch ein absoluter Kulturschock.

An einem kleinen Berghang lagen 40–50  winzige, im dominikanischen Stil mit Palmenblättern bedeckte Holzhäuschen.

Ein Bett, ein Moskitovorhang, ein Holztisch mit zwei Stühlen und ein Wasseranschluss für ein Plumpsklo – das war´s. Karibik, wir kommen.

Die Wände waren teilweise offen, so etwas hatte ich vorher nur in amerikanisch Samoa gesehen, wo die Bevölkerung heute noch ganz einfach unter einem Dach, getragen von vier offenen Pfosten, lebt und schläft.

Wir waren die erste Reisegruppe, die überhaupt dort auftauchte.

Die überwiegend deutschen Touristen, die für einen Spottpreis von wenigen hundert DM ein oder zwei Wochen karibischen Traumurlaub glaubten gebucht zu haben, wurden freundlich auf ihre entsprechenden Gefängniszellen verteilt.

Bevor Nelly und ich in der Rezeption an die Reihe waren, unsere Zellen-Nummern zu erhalten, kamen schon die ersten Leidensgenossen aufgeregt zurück um sich gewaltig zu beschweren.

Das nützte natürlich alles nichts.

Kein einziger der freundlichen Dominikaner sprach auch nur ein Wort englisch, geschweige denn deutsch.

Da mir schnell klar wurden, dass es hier doch einiger Veränderungen bedürfen würde, um eine einigermaßen angenehme Zeit im neuen Paradies zu verbringen, nahm ich meine liebe Chefin zur Seite und sagte ihr, sie soll in den nächsten beiden Stunden nur noch Plattdeutsch mit mir reden.

Das war die einzige Kommunikationsform, die sie nicht so richtig beherrschte und so bedeutete diese sehr freundliche Bitte, ab jetzt wirklich mal nichts zu sagen.

Casablanca

Als wir dann irgendwann später zusammen mit unserem dominikanischen Kofferträger und Begleiter die uns zugewiesene offene Klosterzelle erreichten, nahm ich den Jungen kurz zur Seite und gab ihm auf spanisch in Kurzform die folgende Information: Wir – meine Frau und ich – sind hier im Auftrage der Geschäftsleitung der europäischen Zentrale und sollen den Ablauf und die Qualität dieses Hotels prüfen und darüber berichten.

Ich weiß, dass du als kleiner Kofferträger hier nur einen Hungerlohn verdienst. Aber ich weiß auch, wie du bei deinen eigenen Chefs schnell in eine gute Position kommen kannst.

Sage dem Chef der Rezeption ganz vertraulich, dass du herausgefunden hast, wer wir beide in Wirklichkeit sind und dass wir schon jetzt nach wenigen Stunden vieles herausgefunden haben, was uns nicht gefällt.

Dann sagst du deinen Chefs, dass sie alles tun sollten, um uns beide hier so gut wie möglich zu behandeln, denn für das Hotel ist es wichtig, dass man von Anfang an gute Noten bekommt.

Dann entließ ich ihn mit einem kleinen verschwörerischen Trinkgeld.

Nach nicht einmal 20 Minuten erschien der Chef der Rezeption zusammen mit zwei Sekretärinnen, die jede einen Korb mit Früchten und mit Süßigkeiten in den Händen hielten.

Als sie merkten, dass wir wirklich fließend spanisch sprachen, war der Damm endgültig gebrochen.

Eine Stunde später zogen wir in eine schöne, sehr komfortable Villa ganz oben an der Spitze des Berges ein.

Wir hatten von da ab einige der schönsten Urlaubstage, an die wir uns noch heute gern erinnern.

Den Chef der Lobby dieses Hotels trafen wir in späteren Jahren noch in verschiedenen anderen Hotels in der Dom Rep – und egal was wir machten, wir wurden automatisch ganz schnell nach oben durchgereicht.

Ich glaube nicht, dass die Dominikaner zu jener Zeit irgendwann mal den Film „Casablanca“ gesehen hatten. Aber wenn ja, so würden sie sicherlich bestätigen, dass dies der Beginn einer wunderbaren Freundschaft war.

Tucholsky

Er war und ist mein Lieblingsdichter, leider oder Gott sei Dank war er niemals in der Dom Rep.

Einige seiner bekanntesten Sätze würden aber ziemlich genau auf die Dom Rep zutreffen:

Zur Dominikanerin: Widersprich nie einer Frau. Früher oder später tut sie es selber.

Zum Katholizismus: Das größte Misstrauensvotum gegen Gott ist ein Blitzableiter auf dem Kirchturm.

Und zur Lage in Puerto Plata: Runter mit dem Niveau.

Und genauso entwickelte sich der all-inclusive Tourismus in Puerto Plata innerhalb ganz kurzer Zeit – er wurde zu einem einzigen Desaster.

Wir waren in den nächsten drei Jahren noch mehrmals dort, denn andere Urlaubsziele in der Dom Rep gab es schlichtweg noch nicht.

Bei jedem Besuch stellten wir fest, dass das Chaos größer wurde.

Der Ort Puerto Plata  war innerhalb weniger Jahre zum größten Bordell der Karibik geworden. Und das will bei der karibischen Lebenslust schon etwas heißen.

Es kam die Mafia und mit ihr Drogen, Prostitution und Gewalt gegen Touristen.

Es gab auf der anderen Seite europäische Touristen, besonders aus England, die eine Woche lang nur noch besoffen am Strand herumtorkelten.

Der Strand war voll mit Bilder- und Zigarrenverkäufern, mit schweren Jungs und leichten Mädchen, mit Abzockern und schreienden Kindern, die nicht wussten, in welcher Bar ihre Eltern sich gerade am Geländer festhielten.

Ich habe Von Rio bis Thailand viel gesehen und erlebt – aber noch nie, dass innerhalb von so kurzer Zeit ein anfänglich kleines Paradies zu einem einzigen Albtraum wurde.

Schon nach drei Jahren erklärten die europäischen Hotel-Ketten, dass sie ab sofort das All-Inclusive-Experiment in der Dominikanischen Republik beenden wollten.

Der alte Mann und das Meer

Die Regierung dieses schönen Inselstaates bestand aus einem einzigen Mann.

Er war weit über 80, halbblind und ein persönlich recht angenehmer Diktator.

Dieser alte Mann hatte sich bis dahin persönlich so gut wie gar nicht um die Situation in Puerto Plata und um die neue Form des Tourismus gekümmert.

Als er aber hörte, das das ganze Experiment an dieser DomRep-Küste wirtschaftlich ein Misserfolg wurde und darüber hinaus sein Land innerhalb weniger Jahre in der ganzen Welt als größtes Bordell der Karibik bekannt war, da rief er alle Beteiligten zusammen.

Er war auch in seinem hohen Alter geistig noch sehr rege und sagte, nachdem er alle angehört hatte nur kurz:

Entweder wir beenden diese Episode und dann wird der Schaden für unser Land permanent sein. Oder wir lernen alle daraus, welche Fehler wir gemacht haben und versuchen es gemeinsam noch einmal völlig neu und von vorne.

Dies war der eigentliche Anfang von Punta Cana.

Man suchte und fand daraufhin den schönsten Strand der Republik.

Dieser war ganz am äußersten Ende der Insel.

Es gab dorthin weder Straße noch Flugplatz noch sonst was – also fing man in den Jahren 1994–95 an, ein völlig neues Tourismus-Konzept vom Reißbrett her zu konstruieren.

Das Land – oder besser gesagt, der 20 Kilometer lange, wunderbare weiße Sandstrand – wurde komplett aufgeteilt unter den internationalen Hotels.

Jedes Hotel bekam 250 laufende Meter Sandstrand und eine Konzession für 900–1000 Betten.

Jedes Hotel musste in einer bestimmten Form bauen und strenge ökologische und sonstige Grundsätze beachten.

Man baute in der Nähe des Strandes einen internationalen Flughafen, nur für das geplante neue Touristenprojekt.

Die Geburt der Legende

Am Ort selber gab es außer ein paar Hütten überhaupt nichts.

Man baute die Straße zu diesem Strand und am Ende ein großes Kraftwerk, um Elektrizität zu haben, ein Wasserwerk für Frischwasser und ein sehr großes modernes Klärwerk für das gesamten Abwasser.

Die Infrastruktur wurde bis auf das Komma genau geregelt, man wollte den besten goldenen Käfig der Welt.

Es wurde eine neue Polizeieinheit gegründet, nur und ausschließlich zum Schutz der Touristen.

Man wusste von Cancun in Mexiko, welche Fehler dort bei der Planung neuer großer Touristen Resorts gemacht wurden und versuchte sie zu vermeiden.

Als Namen für diesen goldenen Käfig erfand man den Begriff  Punta Cana.

Der kleine Ort, den es schon vorher an diesem Strand gab, hieß Bavaro.

Aber Bavaro fand mich nicht attraktiv genug – und seitdem heißt das Gebiet auf dem wir heute leben auf den Landkarten weiterhin Bavaro, aber in allen Tourismus-Katalogen findet man nur die beiden Sehnsuchts-Worte:  Punta Cana.

Zusammenfassend muss man sagen, dass das Konzept aufgegangen ist, Punta Cana ist heute mit Abstand der größte touristische Ort der gesamte Karibik.

Olympia

Einiges auf dieser Welt kann man nur sportlich ertragen.

Und wenn´s  zum Siegen nicht reicht, hilft immer noch die olympische Idee: Dabei sein ist alles.  

Wir wollten und sollten also dann zumindest dabei sein.

Als wir 1993 oder 94 davon hörten, dass am anderen Ende der Insel ein völlig neues Touristengebiet entstehen würde, wollte ich dort mal hinfahren. Aber es gab dorthin weder eine Reisemöglichkeit per Bus oder per Flugzeug – also mussten auch wir warten, bis alles dort einigermaßen fertig war und die ersten Hotels eröffneten.

1995 kamen wir schließlich das erste Mal dort an und erlebten hautnah, wie es, ist wenn man in einem wunderschönen, goldenen Käfig eingeschlossen wird.

Großzügige Hotels, jede Menge Personal, saubere Strände, keine Verkäufer, keinerlei Belästigungen am Strand – willkommen im Paradies.

Heute, nach 20 Jahren Dom Rep Paradies, kann ich sagen, dass dort der Rest des paradiesischen Schlangengiftes medizinisch und kommerziell verwertet wird.

Und dazu passend – „hat´s wenigstens geschmeckt?“ fragt der Engel, der Adam und Eva aus dem Paradies geleitet…

Landvermesser 

Wir wurden in den nächsten fünf Jahren Stammgast in einem wunderschönen Hotel dort in Punta Cana und fühlten uns einfach jedes Mal wohl.

Natürlich waren unsere Sprachkenntnisse und die Tatsache, dass wir offensichtlich keine normalen All-Inclusive-Touristen waren, für uns positiv. Selbst wenn wir gelegentlich einige Mitglieder unserer Familie aus Deutschland oder Chile nach Punta Cana einluden – wir hatten immer eine wirklich schöne Zeit.

1999 war der gesamte vorher aufgeteilte Strand komplett mit ziemlich gleichförmigen Vier- oder Fünf-Sterne-Hotels zugepflastert.

Dann passierte etwas typisch dominikanischen:

Punta Cana besteht aus drei sehr großen Meeresbuchten, und jeder Bucht wurden 10–12 Hotels zugeteilt.

Vom Plan her war alles perfekt organisiert.

Nur hatten die dominikanischen Geodäten, also die Landvermesser, seinerzeit wohl noch nicht mit GPS gearbeitet, sondern immer nur mit ihren kleinen Fernrohren, die auf drei Stelzen standen und mit denen sie alle Gebiete abgemessen und aufgeschrieben hatten.

Als man jetzt allen Hotels ihren Strand-Abschnitt zugeteilt hatte und alle ihre Landmarkierungsunterlagen erhalten hatten – da bemerkte man zur großen Überraschung, dass zum Schluss in der schönsten Bucht an der schönsten Stelle ganz innen in der Bucht ein kleines Stück übrig war.

Irgendwie haben die guten dominikanischen Landvermesser ihre Sonne, ihren Rum und  ihre Apparate nicht so ganz auf die Reihe bekommen, auf jeden Fall waren es genau 85 Laufmeter Strand, die zum Schluss zwischen 2 Hotels übrig waren – und die jetzt wohl  niemandem gehörten.

Niemand ist nicht ganz richtig – denn ursprünglich gehörte das Land dort einer Bauernfamilie, die durch den Verkauf ihrer Strandgrundstücke zu Multimillionären wurde.

Eine Strandbreite von 85 m ist zu kurz für ein Hotel, um ihn kommerziell zu nutzen.

Also nutzte ein Mitglied dieser Bauernfamilie jetzt seine übrig gebliebenen 85 m Strand dafür, hier vier kleine Häuser zu bauen.

Und weil er wie alle dominikanischen Bauern nicht der Intelligenteste und meistens auch nicht der Nüchternste war, setzte er gleich noch vier kleine Häuschen dahinter in die zweite Reihe.

Ich selber bemerkte diese kleinen komischen Häuser, als sie noch im Rohbau waren und wunderte mich, warum dort kein Hotel-Schild war.

Ende gut – und alle Fragen offen

Beim nächsten Besuch waren diese vier kleinen Häuser in der ersten Reihe direkt am Strand praktisch fertig und ich hörte dann von unserem Hoteldirektor, das dort private Wohnungen erstellt werden und die meisten auch schon innerhalb von wenigen Wochen verkauft waren.

Am nächsten Tag war ich dort und am übernächsten Tag hatte ich eine der letzten wunderschönen Wohnungen direkt am Strand für unsere Familie gekauft.

Und so leben wir seit dem Jahr 2000 als einer der ganz wenigen Menschen direkt am schönsten Strand der Karibik.